zählt, daß Kittys Gatte zehn Jahre in Frankfurt am Main als Kapellmeister und Komponist tätig gewesen sei. Außerdem bekleidete er noch den Posten eines Rezen­senten mehrerer namhafter Zeitungen, wie der ,, Kleinen freien Presse", der ,, Frankfurter Zeitung " usw.

Zum Segen der beiden jungen Frauen entwickelte sich aus diesem zufälligen Kennenlernen die innige Freundschaft. Später hatte der tragische, frühe Tod die­ser jungen Frau Kitty ganz empfindlich getroffen.

Jetzt trat Helga in ihrer strahlenden Schönheit auf sie zu..

,, Soeben komme ich von deinem Hause, man sagte mir dort, du seiest auf der Ambulanz. Du willst doch noch nicht arbeiten?" Kitty nickte.

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, Was! Aber Kitty, du hättest ihm sagen müssen, daß du immer noch Ohnmachten hast. Du wirst die Arbeit in der schlechten Luft im Keller ganz bestimmt nicht machen können."

,, Er war ja ohnehin schon ungehalten über die lange Dauer meiner Krankheit."

,, Ich freue mich aber sehr auf dein Kommen." ,, Helga, warte, ich werde eben meine Medizin holen." ,, Ich komme mit!"

Die beiden Frauen gingen durch den Gang der Genie­kaserne, wo die Schalter der Apotheke lagen, und schlossen sich der Kette der dort wartenden Personen an. Jeder mußte sich dieser Notwendigkeit fügen und sich auf eine lange Wartezeit gefaßt machen.

In den oberen Stockwerken der Kaserne befanden sich außer den großen Krankensälen auch die Kranken­küchen. In den anderen Flügeln des großen Gebäudes waren an verschiedenen Seiten die Räume für die Ar­beitsämter, für die Proviantur und der Chefarztkanzlei untergebracht. Hier wurde für annähernd 4000 Menschen gekocht. Auf dem Hofe befanden sich die langgestreck­ten Schalter mit den Holzdächern zum Schutz gegen Regen und Schnee. Die Ausgabe der Mahlzeiten fand statt: Morgens Kaffee von 5.30 bis 8 Uhr, mittags von

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