In der Tür des Warteraumes erschien die Ordonnanz und forderte von jeder Patientin die kleine Ambulanz­karte. An Hand dieses Ausweises erfolgte in der Kran­kenkartei die Auslieferung der großen Ambulanzkarte, worauf, nur für den Arzt bestimmt, die genaue Eintra­gung der Krankengeschichte der Patienten- ihr Alter, Name und Transportnummer-( Tag der Einlieferung in Theresienstadt) enthalten war. Erst wenn diese dem Arzt zur Hand lag, wurde der Name der Patientin durch die Hilfsschwester aufgerufen.

,, Frau Bergner!" Kitty erhob sich und betrat zugleich mit der Schwester den hellen, peinlich sauberen Be­handlungsraum.

Bald danach stand sie dem Arzt, Dr. Hofer, gegen­über.

,, Es wird die höchste Zeit, daß ich Sie gesund schreibe. Machen Sie Ihren Oberkörper frei, Frau Bergner." Er behorchte Rücken und Brust, dabei sah er ihr aufmerk­sam ins Gesicht. ,, Gut, danke! Sie haben doch kein Fie­ber mehr?"

,, Nein", antwortete Kitty.

,, Gut, dann treten Sie morgen Ihren Dienst wieder an. Wir Ärzte haben strenge Vorschriften, das wissen Sie ja!' Es klang wie eine Entschuldigung.

,, Hier ist das Rezept für die Medizin. Ich bitte diese genau nach der Angabe einzunehmen. Ihr Herz ist noch schwach."

Kitty dankte und verließ den Untersuchungsraum. Als sie durch den Warteraum schritt, kam ihr Helga Arn­stein entgegen. Es war die junge Frau aus Frankfurt am Main , mit der sie seit längerer Zeit eine innige Freundschaft verband. Helga hatte damals in der Kar­toffelschälstube freudestrahlend Kitty mitgeteilt, wie glücklich sie sei, sie gefunden zu haben. Sie hätte sie in ganz Theresienstadt gesucht. Vor ihrem Abtransport nach Theresienstadt hatte man ihr Kitty Bergners Namen genannt und ihr geraten, sich ihr anzuschließen, da sie das gleiche Schicksal verbände. Man hatte ihr auch er­

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