wurde aufgerufen, und dann durfte der Betreffende die Steintreppe des Hauses hinaufgehen.
Kitty mit Larsons und ein paar anderen Frauen kamen in ein zweifenstriges, mittelgroßes Zimmer im ersten Stock des Hauses.
Alle sahen sich umsonst nach irgendwelcher Sitzgelegenheit in dem Raume um. Weder Stuhl noch Tisch, noch Betten, noch überhaupt irgend etwas, woran das Auge einen Halt finden konnte, waren in dem völlig nackten Raum zu sehen. Nicht ein Nagel war an den Wänden zu entdecken.
Alle Vertriebenen sahen sich voller Entsetzen an. Sie lehnten sich gegen die Wand, um nicht umzufallen. Tränen stürzten aus ihren Augen.
Eisige Schauer durchfuhren auch Kittys Glieder.
Wie, hier sollen die Menschen leben? Hier schlafen? Wo waren denn die Betten dazu? Wohin sollte man mit seinen Sachen und woran seine Kleider aufhängen? Mein Gott, war es Wirklichkeit?
Nach und nach kamen alle Häftlinge, die für dieses Zimmer eingesetzt waren, herauf, und alle standen entgeistert auf ihrem Platz.
Selbst die größten Optimisten mußten ihre Illusionen angesichts ihrer Lage für immer beiseitestellen. Die Wirklichkeit war erschütternd.
Die Erinnerung an das verlassene, sorgfältig gepflegte Heim trat allen krag vor Augen. Sie fragten sich mit Recht, ob ein Leben unter diesen Umständen überhaupt möglich sei.
Plötzlich erschien in der Tür der Hausälteste, namens Stehr, ein Tscheche. Er machte dem Grübeln der Frauen ein Ende, rief eine Dame zu sich heran und übergab ihr einen Zettel, worauf der Hausdienst für die Frauen dieses Zimmers verzeichnet stand.
Eine freundliche, ältere Dame mit einem weißen Lokkenkopf trat aus dem Kreis der Frauen und nahm den Zettel in Empfang. Sie hieß Frau Magnus und war eine frühere Schulvorsteherin.
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