sah es den bekümmerten Mienen der alten Damen an, wie sehr sie mit ihrem ganz verstörten Manne litten, der totenbleich und mit starren Augen, ganz teilnahms­los vor sich hinbrütete.

Kitty fühlte ein tiefes Erbarmen. Sie streifte alle Be­fangenheit ab, und ohne an das schreckliche Erlebnis zu rühren, plauderte sie absichtlich ungezwungen mit der Gruppe.

Die Stunden vergingen mit Mahlzeiten und der wohl­verdienten Ruhe nach dem langen Marsche.

In der Nacht, die diesem Tage folgte, geschahen viele aufregende Dinge. Es wurden Schreie gehört, Männer­stimmen, laute Auseinandersetzungen zwischen der Wache und den erregten Menschen. Wärter kamen und schleppten heftig um sich schlagende Personen hinweg, die aus irgendwelchen Gründen nun doch noch zuletzt ihren Verstand verloren hatten. Frauen stritten unter­einander, durch vielerlei Mißverständnisse verleitet, über alle möglichen Dinge. Kurzum, es war eine Nacht, wo kein Mensch an einen Schlaf denken konnte.

Alle saßen sie auf dem kalten Steinboden, den Kopf in die Hand gestützt und überdachten die letzten Erleb­nisse.

Auch Kitty saẞ völlig wach. In ihrem Geiste befestigte sich immer mehr der Gedanke, durch fremdes Leid, das zu lindern sie beschloß, ihr eigenes zu vergessen. Sie nahm sich vor, sich besonders Larsons anzunehmen, um diesen sympathischen Menschen in Theresienstadt das Leben zu erleichtern und zu erhalten.

Sie hatte eine ganz kurze Zeit wohl doch geschlafen, denn plötzlich wachte sie durch den Strahl eines hellen Lichtes auf. Eine fremde, große Frau stand vor ihrem Lager und leuchtete mit der Taschenlampe ihr ins Ge­sicht. Kitty schrie auf und herrschte die Frau an, was sie suche? Die Frau erwiderte, sie solle den Platz räu­men, das sei der ihrige, sonst würde sie handgreiflich werden.

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Kitty war aufgesprungen und rief: ,, Wenn Sie nicht