Es geht uns alle an. Ebensowenig wie Deutschland es ohne Hilfe von seiten anderer lösen kann, können wir anderen es ohne Deutschlands Hilfe lösen.
Die Mehrzahl der Millionen Flüchtlinge muß untergebracht und ihnen Lebensbedingungen gegeben werden in neuen Ländern, wenn nicht- was anzunehmen die heutige politische Entwicklung wenig Anlaß gibt- die Grenzen der Länder, aus denen sie gekommen sind, sich wieder öffnen wollten. In der Zwischenzeit muß man ihnen dort, wo sie sich aufhalten, Unterhalt und Lebensmöglichkeiten gewähren.
Hier ist Raum für Zusammenarbeit, hier können wir zusammenkommen, ohne daß man verdächtigt zu werden braucht, sein Schäflein ins Trockene zu bringen- mit dem gemeinsamen Willen, eins der größten Probleme der Nachkriegszeit zu lösen und damit mit dabei zu sein, die Grundlage zu schaffen für jenen Gedankengang des Friedens, der allein eine neue und bessere Welt erstehen lassen kann.
Man benötigt dazu hauptsächlich drei Dinge: Geld, Weitblick und Herz. Leider hat es den Anschein, als ob diese drei Dinge heutzutage alle seltene Ware sind. Aber doch nicht so selten, daß sie nicht beschafft werden könnten.
Umgehend könnten viel mehr Flüchtlinge in überseeischen Ländern untergebracht werden, wenn man nur Schiffe genug hätte. Um genug Schiffe zu beschaffen, braucht man Geld. Um genug Geld hierfür zu beschaffen, muß weniger für den reinen Unterhalt der Flüchtlinge in den Lagern aufgewendet werden, und um diesen Unterhalt einzusparen, müssen wiederum mehr in neuen Ländern untergebracht werden. Damit ist der Kreis geschlossen. Eine scheinbar hoffnungslose Tretmühle, ein idiotischer Ring, und unsere Aufgabe ist, ihn zu durchbrechen und zu öffnen.
Man sollte glauben, daß es möglich wäre, wenn man bedenkt, daß die ganze Welt nach Arbeitskraft stöhnt zum Wiederaufbau alles dessen, was der Krieg auf allen Gebieten zerstört hat, und daß es mitten im Herzen Europas Millionen von Menschen gibt, die einen wesentlichen Teil dieser Arbeitskraft bilden und mehr als bereit sind, etwas zu leisten.
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