Druckschrift 
Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
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VORWORT

Dies Buch ist ein Tagebuch und will nichts anderes sein. Ich war gewöhnt, Tagebuch zu führen, und so war es nur natürlich, es nach meiner Einsperrung am 13. Januar 1942 fortzuführen. Papier und Schreibzeug waren das letzte, was ich in meinen Rucksack packte, ehe ich mit dem Distriktspolizeichef und seinem Helfershelfer auf brach, hinauf in die Berge nach Gausdal. Schon am nächsten Tag begann ich zu schreiben, in meiner Zelle im Lillehammer Kreisgefängnis, und ich blieb dabei, nahezu dreieinhalb Jahre lang. Aus verständlichen Gründen schrieb ich das Tagebuch in kleinster Schrift auf dünnstem Papier. Die Buchstaben waren so klein, daß die Stenotypistin ein Vergrößerungsglas benutzen mußte.

Beim Schreiben kam mir nie der Gedanke, daß meine Nieder­schrift veröffentlicht werden könnte. Ich schrieb für meine Frau, um sie wissen zu lassen, was geschah und wie es mir ging und um meine Gedanken zu ordnen. Vielleicht erscheint das Tagebuch deswegen manchem zu persönlich, auch nachdem die meisten persönlichen Dinge herausgestrichen sind. Ich hatte das Gefühl, ich könne nicht alles herausstreichen, ohne dem Tagebuch zu viel von seiner Eigenart zu nehmen. Denn es ist eine Tatsache, daß ein Gefangener viel an seine Frau denkt, an seine Kinder und an sein Heim.

Freunde drinnen und draußen glaubten, daß ein solches Tage­buch auch außerhalb des engsten Kreises von Interesse sein könnte. Mir scheint, sie haben recht- hier ist es also. Ich muß wohl dazu sagen, daß es auf etwa ein Drittel des ursprünglichen Manuskriptes zusammengestrichen ist.( Es handelt sich um die norwegische Ausgabe.) Ich fand viel, das gestrichen wer­den mußte und gestrichen werden konnte, und es ist auch so lang genug geworden.

Das Manuskript des Tagebuches vom 20. August bis 4. Ok­tober 1943 ging unglücklicherweise verloren.

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