den Blick vorwärts richten, daß wir der Wirklichkeit ins Auge sehen und daß wir die Tatsachen und Erfahrungen der Geschichte umwandeln in positives Wissen darum, wie wir die Aufgaben in Angriff nehmen müssen, um neues Unrecht, neue Bitterkeit, neue Katastrophen und Niederlagen zu vermeiden. Mit ,, Niederlage" meine ich nicht in banalem Sinne, einen Krieg ,, zu verlieren". Solche Ausdrücke kann man bei Fußballkämpfen gebrauchen. Krieg ist kein Fußballkampf. Er ist eine Katastrophe, die keiner gewinnen kann. Die Menschheit ist es, die die Niederlage erleidet.
Einer solchen Niederlage sind wir nicht noch einmal gewachsen, und es ist daher unsere vordringlichste, größte und wichtigste Aufgabe, den Weg zu finden, der uns an ihr vorbeiführt.
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Einige Menschen- und es gibt heutzutage nicht wenige von ihnen scheinen zu glauben, daß Optimismus- den wir selbstverständlich haben müssen, um mit jeder Art von Arbeit vorwärts zu kommen- darin besteht, daß man die Lage und die Zukunft in rosigem Licht sieht. Daß er darin besteht, die ungeheuren Probleme, die sich in der Welt auftürmen, und die ernsten Gefahren und Schwierigkeiten, die den Horizont verdunkeln, zu übersehen.
In Wirklichkeit bedeutet das, der Unwissenheit und Gleichgültigkeit einen hübschen Namen zu geben. Eine bequeme Flucht vor der Wirklichkeit und der Verantwortung, die wenig mit wahrem Optimismus zu tun hat, denn der beruht auf Wissen. Wir wissen, wohin ein solcher blinder Optimismus führt und wir dürfen es nicht vergessen.
Der Himmel, der sich heute über Europa wölbt, ist nicht blau und wolkenlos, und es ist kein Pessimismus, wenn man feststellt, daß er dunkel und gefahrdrohend ist. Das ist eines jeden Mannes Pflicht.
Wenn wir, nachdem wir der Wirklichkeit so tief es möglich ist ins Auge gesehen haben, noch Kraft und Glauben übrig haben, für unsere Zivilisation eine Zukunft zu sehen, und den Willen haben, an ihrem Aufbau teilzunehmen, dann können wir von wahrem, gesundem, natürlichem Optimismus sprechen.
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