mehr Platz im Lager bekamen. Es war ein trauriger Anblick. Die meisten Muselmänner besaßen nicht mehr so viel Kraft, daß sie die Trittbretter der Autobusse erklettern konnten. Man mußte sie hineinheben. Einige fielen zusammen, bevor sie soweit waren, und blieben auf der Erde liegen. SS - Leute und der Lagerführer Thumann selber sowie die Vorarbeiter bekamen es eilig, sie in die Reihen hineinzuschieben, und stellten sich selbst davor, damit die schwedischen Chauffeure es nicht so gut sehen sollten- und dann wurden sie halbtot in die Autos getragen. Nur hineingeschoben in die Menge, worauf die Türen verschlossen wurden. Die SS dachte wohl, daß die Situation gerettet sei, wenn sie nur weg waren, weg aus diesem Lager! Ob sie auch als Leichen ankamen, das war dem Lagerführer Thumann gleich- ganz im Gegenteil! Er sah das ganz gerne- er brauchte ja deswegen keine Rechenschaft abzulegen. Das glaubt Thumann! Mag sein, daß er sich irrt- mag sein, daß es ihm einmal schwer sein wird, der Abrechnung entgegenzugehen!
die meisten waren schon
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In allen diesen Muselmännern vom Tode gezeichnet- erwachte unsagbare Freude und Hoffnung, als sie sahen, wie die weißen Rot- Kreuz- Autos auf den Betonplatz fuhren, und als sie verstanden, daß sie damit fortfahren sollten! Vielen wurde es zuviel, sie ertrugen es einfach nicht mehr, einer so märchenhaften, wundervollen Hoffnung zu begegnen- sie sanken zusammen und starben buchstäblich vor Freude! Dann ging es los. Sie kamen nach Braunschweig und wurden dort in eine neue Hölle geführt. Bis dahin und nicht länger dauerte das Märchen- dort zerbrach die Hoffnung, und die Träume von der Rettung gingen unter in dem Gebrüll neuer Sklaventreiber und Büttel, wurden zerschlagen unter den Gummirohren. Aufs neue schloß sich der Stacheldraht um sie- aufs neue sollten ihre Tage zu einer ununterbrochenen Reihe namenloser Leiden werden bis der Tod sich ihrer erbarmt und ihnen Frieden gibt. ,, Jeder ist sich selbst der Nächste", sagte einer der Schweden zu mir und schüttelte traurig den Kopf. Dieses Wort haben wir wohl besser als die meisten anderen am eigenen Leib erfahren müssen- wir,
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