einunddreißig Patienten belegt. Die notwendigen Arzneien sowie Desinfektions- und Waschmittel, Seife, Scheuerbürsten, Putztücher usw. nebst Wolldecken erhält das Revier vorerst per Flugzeug aus Schweden gemäß einer Vereinbarung zwischen dem Kommandanten und dem leitenden schwedischen Arzt der Rote- Kreuz- Expedition.
Jetzt bin ich wirklich müde nach einem anstrengenden Tag. Morgen werden Frode und ich durch unsere Baracken gehen und alles notieren, was an Reparaturen und Neuanschaffungen notwendig ist. Es tut so gut, etwas Nützliches zu arbeiten. Die Zeit vergeht dann schneller. Gute Nacht, Kari!
28.- 30. März 1945
Es war eine aufreibende Nacht, und ich will schreiben, solange die Eindrücke noch frisch sind. Gestern abend um halb elf Uhr fing es damit an, daß uns mitgeteilt wurde, daß etwa zwölfhundert Norweger und Dänen in den Schonungsblock übersiedeln sollten. Das ist ein zwei Stockwerk hoher Steinbau, der von außen ganz imponierend wirkt, aber von innen derart aussieht, daß man lange nicht vergessen wird, was man gesehen hat. Da herrscht ein Elend, das alle Grenzen und Begriffe sprengt. In jedem Bett lagen drei bis vier, ja auch fünf oder sechs Mann. Es klingt unglaublich, aber ich habe es selbst gesehen. Sie lagen allerdings aufeinander. Die meisten waren nur Skelette und brauchten nicht viel Platz. Ganz ruhig lagen sie, sie hatten keine Kraft, sich zu rühren. Sie lagen nur da, um zu sterben. Viele waren bereits tot. Das ganze Innere des Gebäudes war ein einziges Inferno, ein Wartezimmer des Todes, schlimmer, als man es sich in der wildesten Phantasie vorstellen kann. Ohne Betreuung lagen die armen Menschen in den Betten, einige mit Tuberkulose, andere mit Durchfall und Typhus, wieder andere mit offenen Wunden und eiternden venerischen Krankheiten, kurz, allen denkbaren und undenkbaren Leiden jeder Art. Diejenigen, die Durchfall hatten und zu kraftlos waren, um sich aus den Betten zu heben, machten alles dorthin, wo sie lagen. Man kann sich vorstellen,
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