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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
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SS herein. Es war ein Obersturmführer. Er fing an zu brüllen, was zum Teufel wir hier wollten! Ich fürchte, wir machten einen recht dummen Eindruck. Ich bekam kein Wort heraus. Vor mir donnerte dieser wütende Obersturmführer und starrte uns an mit einem Gesicht, das von allen Eigenschaften der Raserei geprägt war, und hinter uns starrten drei- oder vier­hundert kalte Augenpaare. Ich weiß nicht, was unheimlicher war. Schließlich stammelte Arvid, daß wir uns geirrt hätten. Der Sturmführer lud uns ein, drei Tage und drei Nächte im Leichenkeller zu schlafen, wenn uns der Sinn danach stünde. Ich glaube, es war sein Ernst- er sah so aus. Aber das Unwetter legte sich. Während uns einige Drohungen nachgerufen wurden, zogen wir ab.

Heute nachmittag habe ich eine eigenartige ,, Bauversamm­lung" abgehalten. Meine Pläne für das Revier sind fertig und ,, anerkannt", und darum ließ ich das ,, Baukomitee" zusammen­kommen, nachdem ich im voraus mit zwei grünwinkligen Banditen verhandelt hatte, die die Materialien liefern sollten. Die Schieber können alles beschaffen, während wir auf legale Weise an nichts herankommen können. Der ganze Umsatz des Materials liegt in den Händen von Schwarzhändlern und BV­Leuten. Alles wird mit Zigaretten bezahlt. Ich nahm die beiden Grüngewinkelten mit zur Bauberatung, und nach einigem Ver­handeln wurden wir einig. Sie sollen uns für fünftausend­fünfhundert Zigaretten das ganze Baumaterial für das Kranken­haus liefern. Trotz allem kann man dies doch wohl ein gutes Geschäft nennen. Es kommen nur zwei Zigaretten auf jeden Norweger und Dänen bei der augenblicklichen Belegschaft. Ich möchte wissen, ob sich viele ein Krankenhaus mit zwei­hundert Betten so billig erbaut haben? Morgen kommt das Material wir müssen sehen, daß wir die Wagen so schnell wie möglich abladen können, damit niemand es sieht, und übermorgen fangen wir an zu bauen. Das machen wir alles selbst. Selbstverständlich ist diese Art und Weise, Anschaf­fungen zu machen, abscheulich, aber für uns bedeutet es Lebensrettung in großem Stil, wenn wir dieses Krankenhaus wirklich aufbauen. Es ist bereits im voraus mit einhundert­

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