sammenhang zwischen diesen Behältern und den Büchsen verstehe ich nicht, aber ich brachte es nicht über mich, weiter zu fragen. Ich kam mir beinahe wie ein Verbrecher vor, weil ich diesen kleinen Engel nach solchen Dingen fragte.
Ein halbes Jahr blieb er in Auschwitz - so erzählte er weiter. Dann wurde sein Vater wieder abtransportiert. Das war im November vorigen Jahres. Der Vater kam hier in dieses Lager, wahrscheinlich mit dem gleichen Transport, mit dem Wolfberg kam. Aber er ist nicht mehr hier. Er wurde irgendwohin weitergeschickt, und es ist sehr zweifelhaft, ob er überhaupt noch unter den Lebenden ist. Der Junge kam vor vierzehn Tagen hierher mit einem anderen großen Transport, bei dem viele erfroren waren. Er weiß weder von Vater noch Mutter etwas, und Geschwister hat er keine. Er steht ganz allein in der Welt, allein unter fremden Menschen, in einem fremden Land, zehn Jahre alt! Er ist vertraut mit Tod und Untergang, mit Not und Peinigung und der Teufelei aller Menschen. Ihm wird man wohl kaum etwas erzählen können, was er nicht schon weiß oder gehört oder gesehen hat mit seinen großen, unschuldigen Kinderaugen. So sieht seine Ansicht von der Welt aus ihm war keine Gelegenheit geboten, sich eine andere zu bilden! Vom Leben und vom Tod- wußte er nur das, was er gesehen hatte in dieser Hölle! Aber ich fand in diesem Kindergesicht nichts, was erzählte von all den Schrecken, in denen er gelebt hatte. Die Augen waren groß und graubraun und offen mit einem ruhigen und zuversichtlichen Ausdruck, und die ganze Zeit spielte ein Lächeln um seinen Mund. Vielleicht lag ein nervöser Zug darum- aber nein, Kinder lächeln ja nur, wenn sie sich sicher fühlen und wenn es ihnen gut geht.
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Vielleicht genierte er sich auch ein wenig. Ich weiß es nicht. Scott, der mich begleitete, machte mich darauf aufmerksam, daß die Hände des Kleinen ausgesprochen nervös reagierten. Keinen Augenblick konnte er sie ruhig halten, ständig fuhren. sie über die Decke, fummelten an den Zipfeln des Bettuches und an seinen Kragenecken. Er hatte ein kleines Buch bei sich, das er beständig herumdrehte. Er blätterte ein wenig drin, schloß es wieder, griff nach einem Bleistift, den Scott ihm
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