gegeben hatte, fummelte etwas damit, ließ ihn wieder fallen, strich sich über die Stirn, fuhr leicht über das Gesicht, über den Mund, die Ohren, das Haar und dann wieder über die Bettuchzipfel. Ununterbrochen war er in Bewegung. Es waren erwachsene Hände, es waren nicht die molligen, stumpfen Finger eines Kindes mit den runden Handrücken. Es waren lange, gefühlvolle, feingeformte Finger, leuchtend sauber und delikat mit fein modellierten Handflächen. Schöne Hände, aber sie gehörten irgendwie nicht zu diesem Bild von Raffael . Es war, als wenn die ganze Tragödie, die dieses Kind erlebt hatte, Ausdruck gefunden habe in diesen kleinen, übersensiblen Händen. Wenn man erst auf sie aufmerksam geworden war, konnte man die Augen nicht wieder von ihnen lassen, sie fesselten vollkommen. Ich nahm sein Buch und blätterte darin. Es war ein Buch mit Bildern von deutschen Kriegsflugzeugen, Jägern, Bombern. Ich fragte ihn, ob er sich dafür interessiere. ,, Ja!" und er strahlte vor Begeisterung.
,, Ja, aber weißt du nicht, wozu diese Flugzeuge gebraucht werden?" versuchte ich einzuwenden.
,, Doch, die werden im Krieg gebraucht, um hoch oben in der Luft zu fliegen, hoch, hoch!" Er zeigte so hoch er konnte und lachte hingerissen.
Ich deutete auf das Bild von einigen Bomben und fragte, ob er wisse, was das sei.
,, Selbstverständlich!" lachte er ,,, das sind Bomben!"
,, Ja, und wozu braucht man die?"
,, Zum Schießen, Bomben, in die Luft zu sprengen!" Und er stellte eine Explosion mit Händen und Armen dar und lachte begeistert.
Ich sagte, daß solche Bomben und solche Flugzeuge gefährliche Dinge seien, für die wir uns nicht interessieren sollten. Aber ich wußte ja, daß ich ihm das so schnell nicht beibringen könnte, Jahre würden vergehen, ehe diese Kinderseele gerettet wäre! Und plötzlich überkam mich ein brennendes Bedürfnis, ihn mitzunehmen, zu behalten, zu beschützen und einen Menschen aus ihm zu machen. Eine plötzliche Freude durchfuhr mich, ich erlebte ein paar gute Sekunden, ehe mir das Unmög
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