niederschreiben sollen. Es deprimierte mich sehr, als wir so aufgestellt standen, um zum ,, Galgenappell" zu marschieren, wie unheimlich gefühllos wir geworden sind. Da standen wir nun, über vierhundert Norweger( allein in unserem Block), und waren im Begriff, anzusehen, wie ein Mitgefangener für irgend etwas erhängt wurde... Man sollte glauben, daß diese Stunde vom Ernst geprägt sei, jedenfalls doch von einem vollkommenen Schweigen! Statt dessen befindet man sich unter einem redenden, spaßenden, lachenden Haufen von Männern und Jungen, die fluchen wenn sie im Gedränge aufeinander stoßen oder sich treten, die über die Schulter hinweg einen Spaß oder eine Unanständigkeit an ihren Hintermann abfeuern, der heimlich raucht, und die endlich nach langer Zeit fertig sind, um zum Tatort zu marschieren, wo dann nicht einmal während des Erhängens eine gedrückte Stimmung herrscht. ,, Mützen ab", wenn das Urteil verlesen und in mehreren Sprachen wiederholt wird. ,, Mützen auf", wenn der Büttel ans Werk schreitet. Kein zum Tode Verurteilter soll durch entblößte Häupter von den Kameraden geehrt werden! Und dann endlich können wir zum Block zurückgehen- zum Essen und zu Belanglosigkeiten. Gleichgültig schlendert der Haufen wieder zurück. Die wenigsten interessieren sich dafür, wer erhängt wurde und warum. Jetzt gilt es, einen Platz am Tisch zu erobern, damit man etwas in den Leib bekommt! Oder eine Verabredung mit irgend jemand einzuhalten, der etwas zu verkaufen hat eine schöne Jacke oder eine Hose...
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8. November 1944
Marits Geburtstag. Als ich verhaftet wurde, war sie gerade dreizehn Jahre alt geworden, ein kleines Mädchen. Jetzt ist sie sechzehn und Frau. Das ist merkwürdig. In dem Brief, den ich von ihr bekam, versichert sie selbst so süß und eifrig, daß sie nicht von mir weggewachsen sei. Aber der ganze Brief zeigt, daß es so ist. Arme kleine Marit, dafür kann sie ja nichts. Ich bin es ja, der nicht mit ihr gegangen ist. Im übrigen leben die Kinder nicht ihr Leben, um den Eltern zu gefallen, sondern
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