Auf dem SS- Waffenamt ging vor einigen Wochen eine Stanzmaschine entzwei. Das geschah folgendermaßen: Auf dieser Stanzmaschine werden einige kleine Metallplatten ausgestanzt, die für den Panzerfaust- Mechanismus gebraucht werden. Die Platten sind 0,75 Millimeter dick und werden einzeln unter die Stanze gelegt. Hat man das Pech, daß zwei Platten auf einmal darunter geraten, setzen sie sich fest und die Maschine geht entzwei. Dies geschah, während ein Pole die Maschine bediente. Er sorgte selbst dafür, daß der Schaden geheilt wurde, schuftete und arbeitete und bekam die Maschine im Laufe von zwei Stunden wieder in Gang. Er meldete diesen Vorfall selbst dem Chef, einem SS- Sturmbannführer. Der sagte nichts, und der Pole, der sehr unglücklich gewesen war über den Unfall, dachte, daß diese Angelegenheit damit in Ordnung und erledigt sei. Vier Wochen später, am Donnerstag vergangener Woche, kam der ,, Bütteltrupp"( das ,, Krematoriumskommando") mit dem ,, Galgenwagen" zum SS- Waffenamt herausgefahren. Der Galgen wurde errichtet, und beim Abendappell auf dem Arbeitsplatz wurde der Pole erhängt. Ein kurzes ,, Urteil" wurde vom Lagerführer, der herausgeradelt kam, verlesen. Der Pole wurde ,, auf Befehl des SS - Reichsführers Himmler wegen, Sabotage" erhängt. Der Chef, der dem Polen damals vor vier Wochen, als er den Vorfall meldete, nichts gesagt hatte, hatte ihn in der Zwischenzeit gemeldet und die Todesstrafe vorgeschlagen. Der Pole weinte herzzerreißend und hemmungslos von dem Augenblick an, da er gegriffen wurde, bis er baumelte. Dies war am Donnerstag. Am Tage danach, zur gleichen Zeit, kam der ,, Galgenwagen" mit seinem düsteren Kommando wieder zum SS- Waffenamt gezogen. Der Galgen wurde errichtet, und diesmal wurden zwei Holländer aus dem gleichen Grunde erhängt. Ich habe mit einem Freund des einen Holländers gesprochen, einem Norweger, der erzählte, daß der Holländer ein außerordentlich sympathischer, prächtiger Junge gewesen sei. Er war gerade eine Art Arbeitsvormann in der Werkstatt geworden, wo die Stanzmaschine steht, und war darum ,, verantwortlich" für alles, was da vor sich geht. In der Werkstatt hat niemand absichtlich Sabotage
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