für ihn tun. Man befindet sich vollkommen in Händen von Banditen, und ein ehrlicher Mann ist ein hilfloses Wesen in diesem Lager. Am besten ist es, er hält den Mund, selbst wenn das, was er sieht und hört, noch so empörend ist. Das kann Arvid nicht.
6. November 1944
Das SS- Waffenamt ist eines der Nachbarkommandos vom Kraftfahrzeugdepot Wald. Auf diesem Kommando wird u. a. eine der berüchtigten neuen Waffen hergestellt, die Panzerfaust. Tag und Nacht wird dort gearbeitet. Wenn wir morgens ausrücken, begegnen uns lange Kolonnen von Gefangenen, die von der Nachtschicht kommen. In gleichmäßigen Abständen donnern Tag und Nacht kleine Serien von drei bis vier Schüssen, das sind die Rohre der Panzerfaust, die eingeschossen werden. Sonst kennen wir dieses Kommando auch von Morgenappellen her. Es stellt sich neben uns auf und zeichnet sich besonders durch einen außergewöhnlich brutalen Vorarbeiter aus, der an den Reihen hinauf- und hinunterläuft und tobt. Er läßt Schläge und Schimpfwörter nach rechts und nach links hageln und wir hören ständig davon, daß seine Opfer auf Nr. 38 kommen. Ihm stehen übrigens einige bereitwillige und aufnahmefähige Handlanger zur Seite, die ihm die Arbeit erleichtern. Es sind alles miteinander deutsche ,, Kameraden". Sie haben sich mit der Zeit alle ein ansehnliches Konto ,, Dankesschuld" von ihren untergebenen Mitgefangenen erarbeitet. Es sind auch einige Norweger auf dem Kommando und im übrigen Gefangene der verschiedensten Nationalitäten. Die Norweger erzählen mir, daß es ihre Eẞpakete sind, die sie retten. Diese üben eine geradezu hypnotische Macht selbst auf den schlimmsten Vorarbeiter aus. Mit Hilfe von Speck, Sardinen, Haferflocken und anderen Dingen kaufen sie sich von der ,, kameradschaftlichen" Behandlung frei und trösten sich damit, daß die Wirkung dieser Transaktionen auch anderen zugute kommt. Dadurch, daß man wilden Tieren etwas zu fressen hinwirft, sichert man sich jedenfalls so lange Frieden, bis es verzehrt ist.
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