Einzelheiten und Räumen, daß ich mich tatsächlich jeden Tag danach sehne, wieder an die ,, Arbeit" zu kommen. Ich finde, ich habe für nichts anderes Zeit. Die letzten Tage habe ich mich losgerissen und ,, Pilzausflüge" gemacht! Tatsächlich! Ein großartiger Kriegseinsatz. Ich habe jeden Tag einen großen Korb voll gefunden und den Inhalt zur großen Begeisterung meiner Eẞgenossen auf dem Schreinerofen zubereitet. Wir leben augenblicklich nicht schlecht.
Es ist einiges passiert im Lager. Alle Deutschen sind eingezogen worden, ob sie nun wollten oder nicht. Daß sie sich freiwillig melden durften, war wohl nur eine Geste. Sie wurden ärztlich untersucht und zum größten Teil für tauglich befunden. Jetzt warten sie darauf, fortgeschickt zu werden. Das ist entsetzlich. Zehn Jahre waren sie teilweise im Gefängnis, weil sie Gegner dieses Systems sind, und nun müssen sie an die Front, um für dieses System zu kämpfen- ja, vielleicht dafür zu sterben. Das ist mehr als tragisch!
Vorgestern kamen achttausend neue Gefangene ins Lager. Wir mußten deshalb noch dichter zusammenrücken als vorher. Einer der Norwegerblocks wird auf die anderen drei verteilt. Ein Block mußte in eine neue Baracke übersiedeln. Sardinen in einer Büchse liegen geräumiger als wir jetzt. Es ist unmöglich, daß mehr als höchstens die Hälfte auf einmal sitzt und iẞt. Ich wage überhaupt nicht daran zu denken, wieviel Luft jedem Individuum zur Verfügung steht. Dieser Tage will ich es aber
ausrechnen.
Arvid wurde auf 38 geschickt. Das ist entsetzlich. Man hat ihn verlogenerweise beschuldigt, einem Norweger nach dem Leben getrachtet zu haben. Der Norweger hat falsch gezeugt. Er ist Legionär und ein miserables Objekt. Der Ankläger, der Blockältester auf 23( Norwegerblock) ist und dazu noch als Schläger im Lager fungiert, hat ihn gekauft. Ein fürchterlicher Kerl, mit dem Arvid unvorsichtigerweise Krach bekommen hat. Arvid ist noch nicht geschlagen worden, aber er hat in dieser Hinsicht Angst vor der Zukunft. Das quält ihn selbstverständlich, und er ist sehr nervös. Keiner von uns kann etwas
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