Jetzt ist der Norweger an der Reihe, sein Gesicht zu einem ,, Tja" zu verziehen und mit den Armen auszuschlagen. ,, Es kann viel passieren vor Weihnachten . Dies ist die Stille vor dem Sturm, wenn sie jetzt erst loslegen- und ich glaube, sie tun es bald" dann kann es schnell gehen. Vielleicht nur noch vierzehn Tage, vielleicht auch nur eine Woche!"
Peter antwortet nicht sofort, aber man sieht deutlich, daß er diesen Optimismus nicht teilt. Und dann fragt er wieder, beinahe etwas neckisch:
,, Ja, und du glaubst also, daß du Weihnachten zu Hause in Norwegen sein wirst, wie?"
Der Norweger zögert etwas mit der Antwort, aber dann kommt es rasch:
,, Ja, ich glaube das, selbstverständlich glaube ich das! Selbstverständlich! Es kann nicht länger dauern! Unmöglich!"
Peter lächelt sein kleines, müdes, trauriges Lächeln und schaut den Norweger an. Es ist, als wenn er ihn beneide und bemitleide zur gleichen Zeit. Er möchte ja wohl auch gerne diesen frohen Glauben haben, die Gabe, das Dasein im Augenblick licht zu machen, aber die Schatten in seinem Gemüt lassen das nicht zu. Darum empfindet er Mitleid mit dem anderen, für den die Enttäuschung so schwer sein wird, wie er meint.
,, Ja, ihr Norweger", sagt er, und man spürt einen gewissen Neid, den er zu verbergen sucht, indem er halbwegs im Spaß spricht ,,, ihr schaut alles in einem rosenroten Licht. Seid ihr alle gleich große Optimisten?"
,, Nein, nicht alle", lächelt der Norweger ,,, bei weitem nicht alle. Einige lassen keinen Anlaß vorübergehen, ohne niederzureißen, zu zerschlagen, den Teufel an die Wand zu malen- als wenn darin irgendeine Mission läge. Ist es denn so großartig, nachher kommen zu können und zu sagen: Siehst du, was habe ich gesagt?"
,, Nein", sagt Peter ganz still ,,, aber es liegt vielleicht auch eine Mission darin, daran zu erinnern, wo wir uns befinden, in welche Lage wir gestellt sind. Gefangene wie wir befinden sich mitten in der Höhle des Löwen. Es schadet doch wohl nicht, vorbereitet zu sein. Alles kann geschehen! Jederzeit!"
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