denkbar, daß er solange dauern könnte. Wir glaubten, daß die Welt, jedenfalls unsere Kultur, schneller untergehen würde, auf alle Fälle dann, wenn eine Million Menschen getötet sein würden! Wir vergaßen, zu bedenken, daß sie dann untergehen wird aber mit den Überlebenden. Der Untergang liegt nicht in der vollständigen Vernichtung von Menschen und Material durch Bombardierung, Mord und Brand. Er liegt in der Abstumpfung und Verrohung, die sich nach und nach an jenen Menschen vollzieht, die weiterleben sollen. Darum wissen wir noch nicht, wie nahe der Untergang wirklich herangerückt
ist.
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Nach dem vergangenen Krieg waren wir es, die die Welt retten sollten. Wie oft haben wir das gehört! Jugend! Von euch soll die Rettung kommen! Ihr sollt die Sünden der Väter büßen und mit dem Glauben, der Begeisterung und der Willenskraft der Jugend sollt ihr die Gemeinschaften in eine lichtere und bessere Zukunft führen. Wir haben es nicht geschafft. Aber hat man uns überhaupt eine faire Chance gegeben? Darüber läßt sich streiten, aber eines ist sicher: Die kleine Chance, die wir hatten, haben wir schlecht ausgenutzt jedenfalls nicht gut genug. Wir fanden zu tiefe Spuren, in denen wir gehen konnten. Und in jene fielen wir allmählich zurückwir fanden den Takt, den Ton und den Geist der Väter, und damit ging es weiter denselben Weg, den man früher gegangen war. Es nutzte so wenig, daß der eine oder andere sich entgegenstellte. Zuletzt half es nicht einmal, laut zu schreien- selbst wenn man die Lawine kommen sah. Und so kam sie denn. Wir mußten hindurch. Jetzt sind wir es, die unseren Kindern sagen sollen: Von euch Jungen soll die Errettung kommen! Eigil! Odd Erik! Marit! Siri! Seid ihr bereit?
Wenn wir jetzt doch nur unsere Alteleuteweisheit für uns behalten wollten. So viele ,, wertvolle" Erfahrungen von der Erbärmlichkeit der Menschen prallen zusammen mit der glühenden Begeisterung und dem festen Glauben der Jugend und werden wertlos wie alte Lumpen. Denn jetzt wie immer sind es Begeisterung und Glauben, die den Weg zeigen und helfen, daß man ihn zu gehen vermag.
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