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dort. Sie kommen aus dem Frauenlager in Ravensbrück . Es handelt sich um Gefangene, die sich ,, freiwillig" gemeldet haben, um eher entlassen zu werden. Der erste Tag war für die Blockältesten und die Prominenten reserviert. Dann kamen die Reichsdeutschen an die Reihe und dann alle Germanen. Es ist dieser stolzen Rasse vorbehalten, sich dieser Anstalt zu bedienen aus ,, medizinischen Gesundheitsgründen" selbstverständlich, und auch dort ist alles ,, peinlich sauber". Daẞ das Ganze eine Schikane und eine Schweinerei ist, fällt selbstverständlich keinem von der SS ein. Ganz im Gegenteil, es handelt sich um Großmut, Edelmut und taktvolles Verstehen. Scheine werden ausgeschrieben, zu fünfen muß man Schlange stehen und bekommt zehn Minuten Zeit, nachdem man nach erfolgter Untersuchung für ,, sprungfähig" befunden worden ist. Selbstverständlich werden Scheine verkauft und gekauft, dann brauchen die Feiglinge sich auf dem Block nicht zu melden, falls sie Lust haben, hinzugehen. Die armen zehn Häftlinge, die dafür früher entlassen werden sollen! Sie werden sicher vollauf zu tun bekommen. Der Puff ist bald keine Sensation mehr, er gibt nicht einmal mehr Anlaß zu groben Witzen.
14. August 1944
Der gestrige Sonntag war sehr unruhig. Es geschehen überhaupt zur Zeit Dinge, die die Tage sehr bewegt machen. Wir erwarten hier im Lager Tausende von neuen Gefangenen. Ebenso viele sind bereits angekommen. Wahrscheinlich kommen sie aus Polen , wo ein Konzentrationslager nach dem anderen evakuiert wird, sowie die Russen näher rücken.
Gestern erwarteten wir einen großen Zustrom: zwei- bis dreitausend. Mehrere Blocks wurden geräumt und für den Zugang freigemacht. Zu den Blocks, die geräumt wurden, gehörte auch Nr. 25, wo alle Dänen, ungefähr hundertunddreißig, mit den Norwegern zusammenwohnten. Alle diese Dänen und Norweger wurden auf die übrigen vier Norwegerblocks verteilt mit dem Erfolg, daß wir jetzt wie mehrfach geschichtete Sardinen in einer Büchse wohnen. Es sind ja geradezu entsetz
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