nahm ihm zuletzt das Leben. Er war ein frischer, starker, junger Bursche, ein guter Kamerad, klug und wertvoll. Er ist der vierte von unserem Tisch im B-Flügel, der starb. Er war drei- undzwanzig Jahre alt. Aber es nützt nichts, daß man stehen- bleibt und daran denkt. Das tun wir auch nicht, sondern leben weiter und vergessen, so gut es geht. Ab und zu finde ich es ganz unheimlich, wie gut wir das können.
ı1. Juni 1944
Gestern war Brieftag, aber ich bekam keinen Brief diesmal und auch kein Paket. Irgendeine Kleinigkeit wird immer noch geschickt, aber es sieht sonst aus, als wenn sie zu Hause stark gebremst hätten mit den Sendungen. Sie haben wohl nichts mehr zum Schicken. Jedenfalls hat es bestimmt angefangen, knapp zu werden.
Ein größerer Transport, der dieser Tage nach Natzweiler hätte abgehen sollen und bei dem auch ziemlich viele Nor- weger waren, soll vorläufig erst in einem Monat starten. Die- jenigen, die dabei waren, sind glücklich. Jetzt wird der Trans- port wohl kaum noch jemals abgehen. Das Elsaß liegt weit westlich!
12. Juni 1944
Heute nacht war wieder Fliegeralarm. Die dritte Nacht hintereinander seit der Invasion.
Es wird immer schwerer und schwerer, geduldig zu warten, nachdem es gewiß ist, daß die Stunde der Befreiung naht. Man fühlt einen Drang zu schlafen, es sind wohl die Nerven, die sich melden. Ohne daß wir es eigentlich merken, werden sie
ja hart geprüft.
15. Juni 1944
Leider startete der Transport nach Natzweiler vorgestern doch. Einige Norweger mußten mitziehen. Ich gab ihnen die Ziehharmonika mit- die kann von Nutzen sein in jedem Lager.
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