9. Juni 1944
Im Westen verläuft alles, wie es soll. Man kann jetzt wohl behaupten, daß sie an Land endgültig. Fuß gefaßt haben. Wenn man von dieser größten und schwierigsten militärischen Aktion aller Zeiten hört, bekommt man einen überwältigenden Eindruck davon, wie überlegen doch das Ganze geplant und ausgeführt ist. Die bangen Ahnungen, die man hatte, weichen, und zurück bleibt nur der überwältigende Eindruck einer zer- malmenden Überlegenheit. Auf der Überfahrt haben sie keinen einzigen Mann verloren, und auch in der Luft sind sie kaum auf Widerstand gestoßen! Der Verlust an Flugzeugen, den sie während der Überfahrt hatten, war geringer als derjenige, den die Amerikaner bei Übungen vor dem Kriege erlitten: etwa sieben Promille.
Die SS, besonders Follmann, war gestern und vorgestern sehr, sehr geschlagen und kleinlaut. Heute haben sie sich jedoch wieder erheblich gefaßt. Follmann erzählt, daß alle Luftlandetruppen jetzt restlos vernichtet werden und daß die Verluste des Gegners so groß seien, daß die Landungsboote mit weißer Flagge an Land kämen! Jetzt soll allerdings die
‚deutsche Luftwaffe ernstlich eingesetzt werden- usw. usw.
Das hören sie sich heute und morgen an, dann kommen neue Enttäuschungen und neues Sichwiederfinden und-aufrichten nach neuer Propaganda.
10. Juni 1944
Heute sind vier Jahre vergangen, seit sie aus Norwegen ab- zogen und es den-Eindringlingen überließen. Das ist ein Datum, an das man sich erinnern dürfte! Aber so, wie die Dinge heute liegen, wollen wir hoffen, daß eine Invasion in unserem Lande nicht nötig sein wird. Dort, wo die Invasion angefangen hat, wird es Blut und Vernichtung genug geben. Sie wird plan- mäßig fortgesetzt.
RolfNissen, ein junger Student, der seinen Platz an unserem Tisch im Block hatte, starb dieser Tage. Er hatte Diphtherie und Lungenentzündung bekommen, und eine Herzlähmung
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