Block. Unser norwegisches Orchester kam und spielte einige norwegische Melodien und Lieder. Harald Schwenzen, der aus diesem Anlaß das Revier verlassen hatte, war auf einen Sprung da und las Björnson und Sivle, und ich hielt eine kurze improvisierte Rede. So wurde uns eine Feierstunde auf den Weg gegeben.
Gestern kamen fünfzig Paar Schuhe aus Schweden an, die an mich adressiert und für die norwegischen Gefangenen bestimmt waren. Mir graut vor der Verteilung. Fünfzig Paar Schuhe und zwölf- bis fünfzehnhundert Gefangene, die alle welche haben möchten!
27. Mai 1944
Ich habe sogenannte ,, Hafterleichterung" bekommen, die in einer täglichen Zulage von zwei Schnitten Brot besteht. Offiziell ist mir kein Bescheid gegeben worden von dieser ehrenvollen Aufmerksamkeit, ich merke es nur an der Zuteilung der besonderen Brotration, die täglich auf mich wartet, wenn ich ,, nach Hause" komme. Ich komme ohne sie aus, darum verschenke ich das Brot. Es gibt genug derer, die es nötig haben. Was für weitere Begünstigungen meine ,, Neuernennung" noch bringen wird, weiß ich nicht. Es heißt, daß ich dann lange, gewöhnliche Briefe werde schreiben dürfen. Wovon soll ich denn dann schreiben? Wenn es sich doch um eine Erlaubnis handelte, unbegrenzt viele Briefe von zu Hause empfangen zu dürfen! Aber nein, so wird es wohl nicht sein. Ich muß das heute untersuchen. Es ist ja bereits Samstag. Man stelle sich vor, wenn ich morgen schon nach Hause schreiben
könnte!
Ich habe schon erwähnt, daß es uns in bezug auf das Essen viel besser geht in der letzten Zeit. Und doch erleben wir beinahe täglich, daß der eine oder andere vom Appellplatz weggetragen wird, ohnmächtig, sterbend oder tot vor Ermattung, Hunger und Elend. Die Gesundheit derjenigen, die lange hier gewesen sind, die keine Verbindung mit zu Hause haben und keine Eẞpakete bekommen, ist vollständig und unheilbar untergraben. Etwas bessere Verpflegung reicht noch lange
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