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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
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nicht aus, um sie wieder auf die Beine zu stellen. Es kommt selten vor, daß jemand sich ihrer besonders annimmt, wenn sie auf dem Revier eingeliefert werden. Sie bekommen ein Bett, in dem sie sterben dürfen. Das ist alles.

28. Mai 1944

Gestern bekam ich Post. Kari erzählte von der Taufe.( Sie hat ihm gleich alle Namen gegeben: Dag, Erik und Odd.) Ich erfuhr, wie der Täufling sich in der Kirche benahm, wo er herumspazierte und, während der Pfarrer predigte, eine schöne Stunde im Altarring verbrachte. Herrgott, was hätte ich nicht dafür gegeben, dabei gewesen zu sein. Und nachher die Feier auf Polhögda!

Kari bekommt meine Briefe nicht. Den letzten Brief, den sie bekam, schrieb ich am 16. Februar. Was mag wohl der Grund sein? Ich bekomme ja jetzt ihre Briefe ziemlich regelmäßig alle vierzehn Tage, und das bedeutet eine große Hilfe für mich.

Heute ist Pfingsten. Man merkt es nur daran, daß die SS betrunken ist. Sie haben gestern einen großen Pfingstabend veranstaltet. Ein Sturmbannführer in Zivil und ein Ober­sturmführer haben sich halbtot getrunken. Sie setzten sich in ein Auto und rasten los, erst gegen ein Tor, dann in voller Fahrt in eine Kolonne Gefangener hinein. Ein Mann wurde überfahren. Die Mitgefangenen nahmen sich seiner an, während die beiden Betrunkenen weiterrasten. Es handelte sich ja nur um einen Gefangenen- und er war ja nicht einmal Germane!

30. Mai 1944

Jetzt werden die Fliegeralarme wieder regelmäßiger. Sie kommen jeden Tag und jede Nacht, und mehr und mehr fange ich an zu glauben, daß dies die ,, zweite Front" ist. In Italien geht es voran, aber mit Maßen. Tito operiert erfolgreich, und in Bulgarien haben sie einen Ministerpräsidenten bekommen. Das bedeutet wohl, daß dort innere Unruhen und Entschei­dungen sind, Leiden und Elend. Überall gibt es Terror und Schrecken, überall seufzen die Menschen nach Frieden.

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