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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
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schäftigt sei und daß diese Arbeit ebenso ,, kriegswichtig" sei wie jene, die sie im anderen Kommando vorhätten!

Heute war Irsch auf einen Sprung hier, das erstemal seit Weihnachten. Er war freundlich, beinahe lächelnd, und alles war ,, ganz nett". Wir haben noch nie sicherer hier gesessen als jetzt, glaube ich.

Die polnische Grenze ist in einer Breite von hundert Kilo­metern überschritten- der Optimismus im Lager ist sehr ge­stiegen. Die Gerüchte laufen schlimmer denn je. Es fängt an, sicherer und sicherer zu werden, daß die Invasion in diesem oder womöglich im nächsten Monat erfolgen wird. Wahrhaftig, ich glaube es auch. Das und noch viel mehr.

7. Januar 1944

Die polnische Grenze ist in einer Breite von vierhundert Kilometern überschritten. Es fehlt nicht viel, daß wir Hurra rufen, so gut ist unsere Stimmung. Heute nacht habe ich doch so lebhaft geträumt, daß ich wieder nach Hause gekommen sei. Das war wundervoll.

13. Januar 1944

Heute sind es zwei Jahre her, daß ich verhaftet wurde. Zwei ewig lange, sinnlose Jahre. Wo sind sie denn geblieben? Ich wage es nicht, an sie zurückzudenken. Der Optimismus ver­blaẞt auch allmählich trotz der guten Nachrichten aus dem Osten. Wann in aller Welt werden die entscheidenden Er­eignisse eintreten?

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Zwei Mann sind festgenommen worden, weil sie auf SS­Radio den Londoner Sender gehört haben. Sie werden fünfzig Schläge bekommen und für immer in SK geschickt werden. Das bedeutet ihren Untergang. Eine Katastrophe für zwei Mit­menschen! Das kommt von der Schwatzhaftigkeit. Wir hören davon, sprechen etwas darüber, sagen so etwas wie, daß es doch schrecklich sei- und vergessen es.

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