17. Januar 1944 Heute war ich auf dem Revier und besuchte wie immer Henry Hansen. Das war ein trauriger Besuch. Um ihn herum in dem Saal liegen sterbende Menschen. Sein Bettnachbar hat nicht mehr lange zu leben, er lag nur die ganze Zeit und stöhnte und sah schon aus wie eine Leiche. Hinter ihm lag ein Armer und jammerte, ihm war der rechte Arm amputiert worden. Jetzt hatte er sein Bett beschmutzt und bekam deswegen schreckliche Schelte von schlecht gelaunten und brutalen Krankenwärtern. Während der Nacht war ein Nachbar auf der anderen Seite von Henry gestorben. Sein ganzer Körper von den Fußsohlen bis zu den Leisten war voller Entzündungen und Elend gewesen. In dieser Umgebung liegt der arme Henry da, hilflos und leidend. Es ist kein Wunder, daß er schwere Gedanken hat. Und man kann auch gar nichts für ihn tun, als etwas Kautabak und das eine oder andere Buch mitbringen. Ich habe ein unheimliches Gefühl, als wenn er dies unmöglich auf die Dauer aushalten könne.
21. Januar 1944 abend
mit
Heute nacht waren sie wieder da, d. h. gestern einem großen Angriff. Nach dem Abendappell fing es an. Vom Appell aus tasteten wir uns im Dunkeln nach Hause, sahen zu, daß wir das Bett fanden, und wälzten uns hinein. Und dann krachte es los. Es war ein Angriff wie immer. Wir sind jetzt so daran gewöhnt, daß wir uns gar nicht mehr viel daraus machen.
Ich war am Mittwoch wieder bei Henry. Es geht ständig bergab. Jetzt hatte er mit seinem belgischen Arzt gesprochen und ihn direkt gefragt, ob er glaube, daß er wieder gesund werde. Der Arzt habe etwas ausweichend geantwortet ,, und weißt du", meinte Henry ,,, das genügte mir." Dann blickte er mir gerade in die Augen und sagte: ,, Es ist hoffnungslos! Und dann ist es ja ebenso gut, daß es hier unten zu Ende geht mit mir, denn in diesem Zustand nach Norwegen zu kom." Was sollte ich antworten? Meine tröstenden Worte fielen flach zur Erde. Aber er nimmt es tapfer.
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