3. Januar 1944
Ich bin von einem anderen Kommando angefordert worden. Das heißt, daß die Leitung eines anderen Kommandos hierher geschrieben und gebeten hat, daß der Gefangene Nr. 72060 Nansen dorthin übergesiedelt werde, da sie ihn als Architekten nötig haben. Das kam folgendermaßen:
Ein Unter- und ein Oberscharführer saßen dort, wo Scott Isaachsen arbeitet, zusammen und unterhielten sich über den Völkerbund und über Frithjof Nansen. Der eine behauptete, Nansen sei am Nordpol gewesen, der andere meinte, nein, das sei nicht wahr. Sie zankten sich eine Weile herum, bis Scott unglücklicherweise sagte, daß sie das leicht erfahren könnten, da Frithjof Nansens Sohn hier im Lager als Gefangener sei. Sie fingen an, interessiert und neugierig zu werden, und als sie erfuhren, daß ich Architekt sei, entdeckten sie, daß ihnen auf dem Kommando ein Architekt fehle. Der wurde dann ,, angefordert". Selbstverständlich hege ich gar nicht den Wunsch, hier wegzukommen. Das Schlimmste ist, daß man jetzt meint, ich hätte dies selbst in Szene gesetzt. Ich habe Joop die Sache erklärt, er will mit Irsch verhandeln. Hauptsturmführer Steger entscheidet. Vielleicht muß ich selbst mit ihm sprechen.
Im übrigen tun wir weiterhin nichts. Ich habe Angst, daß es Krach gibt, wenn wir Irsch nichts vorzeigen können, wenn er kommt. Aber irgendwie pfeifen wir darauf. Ob dies nun die große Gleichgültigkeit und Stumpfheit ist, ob es mit dem wachsenden Optimismus in bezug auf den Ausgang des Krieges zusammenhängt oder ob es nur die Nachwehen von Weihnachten und Neujahr sind ich weiß es nicht, es ist jedenfalls so.
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6. Januar 1944
Die Gefahr, daß ich zu einem anderen Kommando übergesiedelt werde, scheint vorüber zu sein. Irsch hat sie dadurch abgewehrt, daß er dem Chef auf der Arbeitsdienststelle, die mich anforderte, antwortete, daß ich als Architekt mit gewissen Ausweiterungsplänen für das Lager hier draußen be
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