erstenmal, dann machte ich, daß ich in den Schlafsaal kam und ins Bett hinauf, und dort las ich und las, mehrere Male, und schließlich ging ich in das Dunkel hinaus, hinaus zwischen die Norwegerbaracken, und weiter auf den Appellplatz. Dort war ich dann endlich alleine im Stockdunklen, mitten. auf dem Platz. Hier konnte mich niemand hören oder sehen. Vor mir schimmerten die Lichter des Weihnachtsbaumes, der auf dem „Galgenhügel“ angezündet war. Ja, es stimmt. Dort, wo der Weihnachtsbaum aufgestellt war, pflegte man sonst den Galgen zu errichten, und nach der Exekution müssen alle daran vorbei- marschieren. Hinter mir auf dem Wachtbalkon des Eingangs- gebäudes stand eine Handvoll SS-Soldaten mit Stahlhelmen, Maschinenpistolen und Maschinengewehren, bereit, beim kleinsten Anlaß das Dunkel und den Weihnachtsfrieden mit Gebrüll und Kugeln zu zerreißen. Aus den heiseren Metall- trommeln der Lautsprecher draußen auf dem Platz ertönten die frommsten Lieder und gaben trotz allem eine gewisse Erinne- rung an Weihnachten . So stand ich lange, lange. Wie lange, weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß ich zu Hause auf Polhögda war, zu Hause bei Kari,Marit, Bigil, Siri und Smaaen. Ja, sicher- lich weinte ich etwas, ärmlich und verloren wie ich dort stand in meinen Lumpen im Dunkeln. Aber ich möchte jenen Augen- blick nicht eintauschen gegen irgend etwas von dem, was das Leben hier unten bieten kann. Und im Grunde finde ich nicht, daß es eine Schande ist, ein wenig weinen zu können. Ich war nur so entsetzt- und beinahe auch ein wenig froh darüber, daß ich es noch konnte.
1. Januar 1944
Silvester ist vorübergegangen- man hat es kaum gemerkt. Und nun befinden wir uns im Jahre 1944! In unserer Baracke haben wir Silvester gar nicht gefeiert. Die meisten gingen zu Bett, obwohl wir anläßlich des Tages bis zehn Uhr hätten aufbleiben dürfen.
Vorgestern ließ mich der Chef des Kommandos, Haupt- sturmführer Steger, kommen. Was er von mir wollte? Doch, er hatte nun erfahren, daß ich Nansen hieß und der Sohn sei
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