einmal, die Suppe zum Aufkochen zu bringen. Wir mußten es aufgeben. So etwas muß man morgens schon vorbereiten, und dann muß man einen der Schonungskranken die Suppe bereits am Vormittag aufsetzen lassen. Heute haben wir das so gemacht, darum fand das ,, Fest" eben heute statt. Wir schmückten den Tisch gestern mit Papierservietten- sie waren eigentlich das wesentliche Merkmal dieser Feier. Alle die Zeit, die wir darauf hätten verwenden können, etwas Nettes zu erfinden, vertrödelten wir mit der Suppe.
Sonst haben wir jetzt wenig Grund Feste zu feiern. Die näheren Einzelheiten über den Abzug der Todestransporte aus dem Lager sind grauenerregend. Drei Mann starben auf dem Appellplatz, wie ich bereits erwähnte. Siebenundsechzig starben unterwegs zur Bahn. Sie wurden alle in Autobusse verladen in einer Halle irgendwo draußen vor dem Eingang. In dieser Halle arbeiten auch zivile Frauen. Die Art, wie die Gefangenen in die Autos geladen wurden, sei derart gewesen, daß diese weiblichen Zivilarbeiter in Pfui- Rufe ausgebrochen seien! Wie viele dieser armen Menschen werden im Zug sterben? Wie viele werden am Leben bleiben, um in Lublin in die Gaskammern zu gehen?
Die Auswahl zu diesen Transporten ist das Schrecklichste, was man sich denken kann. Derjenige, der dazu bestimmt ist, muß sich ja wie ein Büttel vorkommen. Er fällt praktisch genommen Todesurteile. Ein Beispiel mag einen Eindruck davon geben: Ein junger russischer Junge war ausgesucht worden. Er war schwindsüchtig. Er verstand das Ganze. Er war sich vollkommen darüber im klaren, daß er ausgesucht war zum Sterben! Aber er wollte nicht sterben und bat darum, leben zu dürfen, jeden Tag bat er darum, inständig bat er darum. Derjenige, der entscheidet, ist ein entsetzlicher Kerl. Er heißt August und ist Elektriker und praktisch der eigentliche ,, Oberarzt" auf dem Revier. Er- nicht die Ärzte- bestimmt, wer gesund ist und wer krank genug ist, um hinausgeworfen zu werden. In letzter Zeit ist August besser, menschenähnlicher geworden. Er brachte es jedenfalls nicht fertig, diesen Jungen fortzuschicken, und erhörte seine Bitten. Das mag auch seine
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