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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
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block in Quarantäne. Wir werden sie wohl bald unter uns ha­ben, denn es muß doch verhindert werden, daß sie den ver­kehrten Weg gehen- wenn das denn überhaupt beabsichtigt

gewesen ist.

An den Fronten geht es, wie es gehen soll. Im übrigen ge­schieht etwas in Norwegen , das jetzt anfängt, ein Weltereignis zu werden. Sämtliche Studenten der Universität, im ganzen fünfzehnhundert, die nicht zu den ,, Loyalen " gehören, wurden verhaftet und werden in ein Sonderlager nach Deutschland ge­schickt. Sie sind hier schon angemeldet, man macht schon Platz frei für sie. Aber sensationell ist es, daß die schwedische Re­gierung protestiert hat gegen diesen Übergriff und von Ribben­trop zurückgewiesen worden ist mit der Bitte, sich nicht in Dinge zu mischen, die sie nichts angehen. Nachher haben auch zehn Professoren in Madrid und wahrscheinlich auch die Stu­denten dort protestiert; im übrigen auch die Studenten in Bern , und es heißt, auch in Bulgarien und Ungarn sei protestiert worden. Ja, und in Helsinki und Aabo natürlich, das war ja das Wichtigste. Dies gibt ja besser als alles andere die Stimmung in dem ,, geeinten" Europa wieder, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stacheldrähte des Nationalsozialismus. Nein, jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Allmählich bekomme ich wieder Mut. Es wird schon gut gehen, Kari!

Gestern war der griesgrämige Irsch wieder hier. Er muß ja schimpfen, und das tat er denn auch. Es gehe zu langsam. Die Sache ist die, daß wir mehr als glatt fertig werden mit dem Arbeitsprogramm, das er uns selbst gestellt hat. Er legte furcht­bar los damals, als er es uns aufgab. Wahrscheinlich dachte er, daß wir damit niemals fertig werden würden. Jetzt sieht er, daß wir es schaffen, und darum muß er sich von dem, was er früher gesagt hat, weglügen, indem er hinzufügt, daß wir dazu noch eine ganze Menge anderer Sachen machen müßten. Er ist ein Drecksack. Ja, jetzt ist bald Weihnachten da, ob wir nun fertig werden oder nicht. Frode und ich sind beide für das Weihnachts­komitee gewählt worden. Das wird einen Betrieb geben! Deko­rationen, Lieder, Spaß und Unterhaltung. Wenn wir die Freude nur dazu aufbringen. Und die Zeit- das spielt auch eine Rolle.-

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