Inhalt an Schmuck und Geld zu sichern. Wieviel er gefunden hat, weiß man nicht, aber man darf nach den bisherigen Erfahrungen damit rechnen, daß es sich um ein Riesenvermögen handelt. Der Mann wurde nicht deswegen verhaftet, weil er sich diese Werte angeeignet hatte, sondern, weil er die Schuhe verbrannt hatte! Viele Gefangene, die in der Schuhfabrik beschäftigt waren und seine Befehle ausgeführt haben, wurden verhört, und es scheint, als wenn die Sache Riesenausmaße annehmen würde.
8. Dezember 1943
Einen Tag habe ich jetzt ausgesetzt, und die Welt ging darum doch nicht unter. Trotz der Kälte, die den Rekord dieses Herbstes erreichte, und trotz des kalten Nebels, der sich dicht über das Lager breitete, wurde der Tag doch etwas heller. Ich war fertig geworden mit meinen schlimmsten Gedanken, dank der Ehrung, die mir meine Freunde an meinem Geburtstag zuteil werden ließen.
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Ich bekam Geschenke. Erik brachte eine Erinnerung an seinen ,, Beruf" mit: eine Art Gesellschaftsspiel, mit dessen Herstellung er ja von Morgen bis Abend hier beschäftigt ist. Er begleitete sein Geschenk mit einer kleinen Rede. Dann erschien Frode mit seiner Gabe und seiner Rede. Er wollte das sollte mir gerne etwas ganz Persönliches schenken ein Geschenk ja immer sein, und er hatte nichts gefunden, das ihn persönlicher dünkte als ein Spielzeug, das ich selbst in unserer Fabrik hergestellt hatte: ein Schaukelschaf. Und Frode war dazu noch der Kellner der Festmahlzeit. Er brachte es fertig, die Laune und die Lachmuskeln derart zu lösen, daß wir zuletzt ganz erschöpft waren. Es war wunderbar, wieder etwas zu lachen. Ich lachte Tränen, als Frode durch die Schranktür mit allen dazugehörigen Kellnerbewegungen- eine Bestellung ,, hinunterschickte" auf vier Schneehühner und eine Flasche Yquème. ,, Bitte etwas schnell!" Und als er nach Kellnerart die Schnäpse und Tafelreste hinter der Tür des ,, Aufzugs" verschlang. Ich hatte ein derart dringendes Bedürfnis, mal abzukurbeln- und das gelang! Das Dasein bekam
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