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durchbrechen. Ich fürchte, daß ich nicht besonders geeignet sein werde, zu Fuß nach Hause zu gehen- falls dies das Ende des letzten Aktes dieser Quälerei sein sollte. Aber wer weiẞ etwas über das Ende? Und was für einen Sinn hat es überhaupt, zu raten? Alles mögliche kann geschehen. Hier in Deutschland kann es zu jeder Zeit zu einem Zusammenbruch kommen welche Folgen wird er für uns haben? Was wird hier im Lager geschehen? Die meisten Norweger , mit denen ich spreche, scheinen zu glauben, daß im Falle eines Zusammenbruchs und Waffenstillstandes hier in Sachsenhausen ein Zug bereitgestellt werden wird, der uns direkt nach Norwegen bringen soll. Oder sie denken sich, daß sofort ein ganzes Flugzeuggeschwader kommen wird, um sie nach Hause zu holen. Es ist, als wenn man mit kleinen, kleinen Kindern spräche, die an Zwerge und Trolle glauben und nicht weiter gedacht haben als bis an ihre Nasenspitze- oder höchstens bis zur nächsten Türschwelle. Aber es schadet nichts, wenn man die verschiedenen Möglichkeiten erwägt und auf irgendeine Weise Stellung zu ihnen nimmt, damit man weiß, wie man sich in diesem und jenem Falle zu verhalten hat. Ja, denn es geht doch in erster Linie um einen selbst. Ich fürchte, daß die Norweger im ganzen hier unten sehr getrennt stehen und wenig stark sind. Ich muß leider gestehen, daß ich fürchte, daß es rein moralisch nicht besonders gut aussieht, und politisch hat sich jedenfalls bereits schon mehr als eine Front gebildet.
Wir haben jetzt angefangen, Spielzeug herzustellen im großen Stil: Autos, Hunde, Krokodile und Puppenwagen. Die Holzschnitzerei ist vorläufig in den Hintergrund gedrängt. Der Hauptsturmführer, der uns beaufsichtigen sollte und für den die Spielzeugfabrikation überhaupt in Gang gesetzt worden ist, war noch nicht hier. Wir bekommen immer noch kein Werkzeug, und unsere Tätigkeit gestaltet sich deshalb beinahe tragikomisch.
Tag und Nacht sind Kari und die Kinder in meinen Gedanken. Was werden sie jetzt wohl tun? Was glauben und hoffen sie? Ob sie meinen ersten Brief erhalten, ihren ersten schon abgeschickt haben... Tabak? Ja, jetzt denkt man wieder an sich selbst, es läßt sich doch nicht leugnen.
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