Ich muß aufhören
sie brüllen: ,, Los! Los! Los! Schlafen
gehen!" Es ist ein ohrenbetäubender Lärm. Wir haben gute Nachrichten, aber sie fließen spärlich. Gute Nacht, Kari.
21. Oktober 1943
Gestern fingen wir an zu ,, arbeiten". Darum hatte ich keine Gelegenheit, zu schreiben. Als wir von der Arbeit nach Hause kamen, war es bereits Abend, und wir hatten den abendlichen Appell. Zu Mittag essen wir nämlich draußen auf dem Arbeitsplatz, dem ,, Kommando", wie es heißt. Man erkundigt sich nicht, welche Arbeit ein Mann bekommen hat und ob er mit ihr zufrieden ist, sondern man fragt nach der Art des Kommandos. Am Abend war ein Betrieb sondergleichen. Wenn wir nach Hause kommen, beginnt ein Kampf, der dauert, bis wir wieder am darauffolgenden Tage zur Arbeit gehen. Jetzt sind noch mehr Leute in unseren Raum gekommen. Das Gedränge ist unbeschreiblich. Der Block, der in die Flügel ,, A" und ,, B" aufgeteilt ist und einen Wasch- und Toilettenraum in der Mitte hat, besteht im übrigen aus vier großen Räumen: zwei Speise- und Aufenthaltsräumen und zwei Schlafsälen. Sie wären wohl ungefähr groß genug für vierzig bis fünfzig Mann- wir sind hundertundzwanzig, und es besteht die Aussicht, daß bald noch mehr hinzukommen. Daß es eine Prüfung sein wird, in diesen Räumen zu wohnen und sonst keinen Aufenthaltsraum zu haben, das ist klar. Wir sitzen so dicht, daß das Essen an Ellenbogen und Schultern vorbeigekämpft und vorsichtig bis zum Mund hingelotst werden muß falls wir denn überhaupt sitzend essen. Denn es gibt nicht Platz genug für alle auf einmal. Erik, Frode und ich halten zusammen mit jedem Tag wird die Freundschaft enger. Darin liegt eine Art Rettung. Es bedeutet so unheimlich viel, einen Freund oder auch zwei zu haben, jemand, mit dem man sprechen, jemand, mit dem man teilen kann, sowohl Essen und Tabak als auch das Schicksal. Und nicht zuletzt jemand, mit dem man sich freuen und lachen kann. Denn hier gibt es auch manches, worüber man lachen wenn man es nur fertigbringt. Zusammen verstehen
könnte
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