noch einmal zum Arzt kommen, und anschließend wollen wir noch in der Kleiderkammer die Kleider eintauschen, die absolut nicht passen. Frode, Erik und ich haben Arbeit außerhalb des Lagers bekommen und sollen deshalb gestreifte Kleider erhalten. Ob die anderen sich mit ziviler Kleidung schmücken dürfen?
Kohlsuppe, Kohlsuppe, Kohlsuppe! Aber heute abend gab es Heringe vom Roten Kreuz. Zwei für jeden. Wir wollen versuchen, etwas davon bis morgen in Wasser zu legen, damit wir uns einmal die Kohlsuppe ersparen können! Sonst organisieren wir hin und wieder etwas, und zwar die verschiedensten Dinge, so daß uns im Grunde genommen nichts fehlt- oder beinahe nichts---.
19. Oktober 1943
Die Quarantäne ist zu Ende. Morgen sollen wir raus und arbeiten. Das wird spannend werden. Ich nehme an, daß wir im Anfang weniger angenehme Arbeit bekommen, aber im Laufe der Zeit wird es wohl möglich werden, sich in irgendeine andere Arbeit hinüber zu ,, organisieren". Alles kann man ,, organisieren". Es ist abscheulich, aber so ist das hier, von oben bis unten.
Heute abend haben wir zum erstenmal Appell gehabt. Es war eigentlich ein Ereignis, zum erstenmal dazustehen mit sieben- bis achttausend Gefangenen. Da ist es ein Vorteil, lang zu sein, damit man alles übersehen kann; denn es lohnt sich, dieses Meer von Menschen unter den Scheinwerfern zu schauen. Menschen, Menschen- Menschen aller Art, so weit man nach allen Richtungen hin schauen kann, ein dauerndes Gesumm von Gesprächen, das von kurzen Kommandotönen unterbrochen wird: ,, Stillgestanden! Augen gerade aus! Augen rechts! Augen links! Richtet euch! Rührt euch!"- und dann ist es vorbei. Nach und nach marschieren sie dann vom Platz weg, jeder zu seiner Baracke. Die Rauchwaren werden herausgeholt. Zigaretten und Pfeifen leuchten wie rote Augen überall im Dunkeln. Hier und da leuchtet ein Feuerzeug auf. Es schmeckt verdammt gut, denn man hat ja seit dem Mittagessen nicht geraucht. Das war ein Uhr und jetzt haben wir sechs.
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