satt jedenfalls. Nach der Kohlsuppe fühlt man sich nur aufgeblasen im Magen, schwer und unbequem. Aber satt? Nein. Jetzt gibt es gleich wieder Kohlsuppe. Das merkt man schon an der Bewegung im Raum. Diejenigen, die saßen, stehen auf. Diejenigen, die schliefen, strömen nach und nach herein. Diejenigen, die plauderten, fangen an zu schwatzen. Über hundertfünfzig Mann verwandeln, ohne es zu beabsichtigen, ohne es überhaupt zu wissen, den Raum in einen Hexenkessel von ohrenbetäubendem Lärm, aufgewühlten Bewegungen und schlechter Luft. Das letztere ist das Schlimmste. Ich brauche ja wohl nicht näher zu erklären, wie sie entsteht, nur eben zu bemerken, daß die meisten jegliche Hemmung verloren hatten, lange bevor sie hierher kamen. Wenn zwei Drittel derjenigen, die hier wohnen und keinen anderen Aufenthaltsraum haben, nicht da wären und der Rest nach Möglichkeit ruhig gesessen hätte, dann wäre der Raum für normale Begriffe schon überfüllt gewesen. Es ist zum Verrücktwerden! Ich bin wirklich auf dem Wege dazu. Mir ist, als wenn meine Schläfen gesprengt würden, und es dauert nicht lange, so fange ich an zu schreien!
Zwei junge Russen laufen hier im Block herum und verrichten allerhand kleine Dienste für Zigaretten, etwas Essen und übriggebliebene Reste. Wir nennen beide Wodka. Sie haben den ganzen Tag vollauf zu tun, unsere Lumpen zu reparieren, Nummern daran zu nähen, Nummern herbeizuschaffen, Schlafsäcke wieder in Ordnung zu bringen usw. Frode und Erik, die stinkfaul sind, ziehen es vor, zu schlafen, während ich schreibe. Und Wodka bekommt eine Handvoll der ,, ungenießbaren" Zigaretten, von denen wir bereits ein ansehnliches Lager besitzen, und alles ist in bester Ordnung. Die Zeit läuft. Herrgott, wie langsam die läuft, und gleichzeitig wie schnell! Bald sind es vierzehn Tage her, daß wir ankamen.
18. Oktober 1943
Noch ist nichts Neues mit uns geschehen. Wir müssen noch einen Tag in Quarantäne und Nutzlosigkeit verbringen weitere werden schon folgen. Morgen sollen wir, glaube ich,
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