wieder richtig. Die beiden wurden weggetragen- sie sind hier in dieser Welt keinem mehr im Wege, nirgendwo zuviel.
Vor einigen Jahren war jemand unvorsichtig gewesen und hatte verbotenerweise in der Baracke geraucht, die Feuer fing und niederbrannte. Als Strafe mußten alle Gefangenen zwei Tage und zwei Nächte angetreten stehenbleiben, ohne Essen zu bekommen. Und das bei mehr als zwanzig Grad Kälte! Von dreihundert erfroren dreißig Mann. Unser erster Blockältester Hans( jetzt haben wir einen neuen bekommen, der Albert heißt) erzählte uns dies, um uns davor abzuschrecken, in der Baracke zu rauchen. Er hatte selbst an dieser Strafe teilgehabt und konnte uns garantieren, daß es wahr ist. Später wurde es mir von mehreren Seiten bestätigt.
Trotzdem ist es schwer, die Männer dazu zu bringen, das Rauchen zu lassen. Es gibt auch Schweinehunde unter uns, die nicht nur verbotenerweise rauchen, sondern die Rauchwaren ihrer Kameraden stehlen. Ja, auch Eßwaren werden gestohlen. Es ist niederschmetternd- aber wahr. Nach und nach merkt man wer das tut und hält sich von ihnen fern. Das ist alles. Heute haben wir tatsächlich genug zu essen bekommen. Ich glaube, daß alle satt sind, einige sogar mehr als das. Wir bekamen Kartoffeln aus der Kantine, die die anderen Kameraden für uns gekauft haben. Und abends gab es reichlich Stockfisch . Das hat gut getan auf der ganzen Linie. Die Stimmung ist wärmer und gemütlicher. Der Magen ist ein wichtiges Organ- auch hier! Vielleicht hier ganz besonders. Ich habe gar keine Lust, zu Bett zu gehen, aber ich komme nicht daran vorbei. Gute Nacht, Kari.
15. Oktober 1943
Heute nacht war Fliegeralarm, aber es wurde nichts daraus. Nur Scheinwerfer, Spannung- und Erwartung. Es zog sich so lange hinaus, daß ich einschlief. Ich fange jetzt an, gut zu schlafen. Colbjörn ist aus dem Lager Lichterfelde zu Besuch gekommen. Er sieht gut aus, ist voller geworden und anscheinend in besserer Verfassung als auf Grini .
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