bringen könnte, wenn nicht innerer Streit und Kleinlichkeit es immer wieder abwärts zögen und in seinem Wachstum hemmten. Das ist ja gerade unsere große Hoffnung, daß jetzt die zielbewußte einige Zusammenarbeit ihren Anfang nehmen soll!
Mit Parteipolitik kann diese Arbeit nicht beginnen. Wenn jemand dich um Hilfe bittet, weil er sich in Not befindet, dann siehst du nicht erst auf die Uhr, ob du auch Zeit hast, oder auf den Tagesplan, ob dieser Posten dort verzeichnet steht. Du fragst auch keinen, nicht den Helfenden noch den in Not Geratenen, welche Weltanschauung er besitzt. Nur eins erfüllt dich dann die Rettungstat so schnell und gut wie möglich zu vollbringen, und dem nur opferst du dann deine ganze Kraft.
13. Juni 1942
Es ist, als ob ein Ring aus Stahl und Eisen die Gedanken dazu zwänge, ständig um dieselben Kleinprobleme und Nichtigkeiten zu kreisen, aus denen das Dasein hier besteht. Es ist etwas Erschreckendes, Unheimliches, Erniedrigendes, jeden Tag zu hören, worüber sich erwachsene, denkende, leidende Männer in unserer Gemeinschaft unterhalten. Gefängnisgeschwätz tagaus, tagein. Schmuggel, Sabotage, Erlebnisse mit den Wachtposten, Strafen, Aussichten auf Entlassung, Besuche- und vor allen Dingen: Gerüchte, Nachrichten! Der unlöschbare Durst nach Nachrichten, er erhält uns am Leben, bringt die Gedanken in Schwung.
Aber die Gemeinschaft, die wir verlassen mußten, die, von der sie uns aussperren- sie ist uns jetzt so fern gerückt. Wir sprechen wenig darüber und machen uns selten Gedanken, wie wir sie einst gestalten werden. Die ,, Probleme", die mit unserem Hiersein verbunden sind, beherrschen die Gemüter, und man macht sich so das Dasein weit schwieriger, als es wirklich ist.
14. Juni 1942
Alles, was hier geschieht, geht einen selber an. Unmöglich, sich von irgend etwas abzuschließen.
Darum empfinde ich auch eine aufrichtige innere Freude
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