und große Geste hinfand zu der Mitte, dem Wertvollsten im Leben zu der Liebe. Denn sie war es, die ihm letzten Endes seine merkwürdige Kraft verlieh.
14. Mai 1942
Man sieht keine frohen Gesichter mehr, keiner kann vergessen, keiner will vergessen. Oben auf 412 sitzen die siebzehn zum Tode Verurteilten und starren in den Frühling durch das Gitter hindurch. Zwei Wachtposten sitzen vor der Tür ihrer Zelle. Sie dürfen nicht mit ihnen sprechen, und niemand darf sie sehen.
Nicht einmal der alte Siqveland, der seinen Sohn unter ihnen hat, zweimal zum Tode verurteilt. Der Alte bemüht sich darum, bei den Verantwortlichen vorzusprechen. Er glaubt, daß der Sohn und die anderen zu Unrecht verurteilt sind, wegen Dingen, die sie gar nicht begangen haben.
25. Mai 1942
Jeden Vormittag beobachte ich von meinem Fenster aus den alten Siqveland draußen auf dem Platze. Barhäuptig läuft er da herum, nur mit einem langen hellen Stock, den er sich geschnitzt hat. Immer wieder wendet er sich an einen der Gefangenen von der Krankenabteilung, die draußen sind, um Luft zu schöpfen. Ich sehe und höre, daß er mit ihnen über seinen Jungen sprechen will.
Der arme alte Mann. Noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, noch ist er fest überzeugt, daß irgendwas eintreten werde, wodurch sie alle gerettet und dieser sinnlose Mord an seinem Jungen verhindert werden würde. An ihm, der doch den ganzen Krieg hindurch für sein Land gekämpft hat und ihm und dem Besten in sich selber treu geblieben bis zuletzt. Nein! Es kann nicht möglich sein, daß der niedergeschossen werden sollte wie ein Hund.
Und dann faßt der Alte seinen Stock wieder mit einer nervösen Bewegung, macht ein paar heftige Schritte nach rechts und nach links, sieht sich hilflos um, bevor er wieder jemand findet, zu dem er gehen kann...
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