Druckschrift 
Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen

gesiegt, eines Mannes, der, kaum zwanzig Jahre alt, gelernt hatte, zu sterben.

Als ich ihn fragte, ob ich niemand eine Botschaft von ihm senden solle, oder ob es nicht noch irgend etwas gäbe, das ich für ihn tun könne oder auch für einen von den anderen, ant­wortete er nur:

,, Nein, wir haben schon mit allem abgerechnet, du sollst nur grüßen und sagen, wie es ist. Wir werden es gut schaffen! Wir werden nicht mit der Wimper zucken! Grüße und sage das, Nansen."

Darauf sagte ich ihm Lebewohl, Lebewohl und Danke­schön.

-

Nach dem Gespräch mit begann Robert zu spielen, es war wundervoll. Keiner von denen, die dort waren, werden wohl je dies Konzert auf dem Flur vergessen können. Rücken an Rücken standen sie zu beiden Seiten den ganzen Flur entlang, schweigend, mit düsterem Ernst in den Gesichtern, viele mit blanken Augen, alle gepackt von der Feierstunde und von Roberts schönen heimatlichen Klängen.

,, Grüße alle jene, die von der anderen Seite kommen, und sage ihnen, sie möchten nicht so vorgehen, wie diese hier", so hatte Anton geschlossen.

Das gibt auch uns zu denken! Sein Herz war nicht erfüllt von Haß und Rache, selbst wenn sie ihm das Leben nahmen und seine Jugend ihm vernichteten. Er, der doch wirklich Grund gehabt, über Rache nachzudenken, er wünscht am Ende nur, daß wir am Tag der Abrechnung uns anders: besser, mensch­licher benehmen möchten als die anderen. Es sind die guten Taten, die die Welt erretten sollen. Anton und seine Kame­raden, denn er sprach im Namen aller. Es war, als hätten sie ge­meinschaftlich gekämpft und zum Licht gefunden. Dieses letzte Wort von Björnson hatten sie verstanden und danach lebten sie, solange zu leben ihnen noch vergönnt war.-

Sollten nicht auch wir dazu imstande sein? Sonst wären wir wohl auch nicht würdig, seinen Gruß uns anzueignen, den ein­fachen, schönen Gruß eines einfachen, armen Jungen von der Jaederküste, der mit Selbstverständlichkeit, ohne Umstände

23