8. Mai 1942
Achtzehn der sechsundzwanzig Jungen der Jaederküste sind zum Tod verurteilt...
Beim Abendbrot kam Robert und brachte mir Bescheid von Anton Bö, einem unter ihnen. Er habe nach mir schicken lassen, da er gern mit mir sprechen wolle durch die Tür der Zelle, wo sie alle eingeschlossen säßen. Gleichzeitig fragte Robert, ob wir heute abend nicht noch etwas für sie singen oder spielen könnten draußen auf dem Flur zum mindesten, vor ihrer Tür...
Ein unvergeßliches Gespräch war's, das ich mit Anton Bö durch das Schlüsselloch zum Todeszimmer führte.
,, Oh, bist du es, Nansen, ja, laß es dir gut gehen und hab Dank für alles in dieser Zeit. Wir sind hier alle guten Mutes, und wenn wir jetzt auch fallen, so hat das nichts zu sagen. Denn wir wissen, Norwegen wird wieder frei. Wir werden den Kopf nicht hängen lassen. Darauf kannst du dich verlassen. Du mußt alle die anderen grüßen und sagen, daß wir es alles miteinander ganz ruhig nahmen und dies auch bis zur letzten Stunde tun
werden.
Ich saẞ heute unten im Gericht und beobachtete den Gestapomann aus Stavanger. Ich beobachtete ihn die ganze Zeit, doch kein einziges Mal wagte er, mir in die Augen zu sehen. Er hatte Angst davor.
Aber am schlimmsten sind die Frauen dort unten im Gefängnis. Sie laufen dort die ganze Zeit herum und lachen über uns. Morgens kommen sie und laufen nur herum und zeigen auf uns, die wir dort unten sitzen und auf unser Todesurteil warten. Es tat weh, dies zu sehen, aber es soll ihnen vergeben sein..
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Es war dies nicht die hektische Rede eines Menschen, der dem Tode gegenübersteht, mit ruinierten Nerven und gestörter Urteilskraft, es war auch kein erzwungener, auswendig gelernter Redestrom. Es waren dies die ruhigen Gedanken eines Mannes, der im Gleichgewicht und Frieden mit sich war und der verstand, sie auf knappe, klare Weise auszudrücken. Es waren die Gedanken eines Mannes, der gerungen hatte und
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