Druckschrift 
Vollständiges deutschlettisches und lettischdeutsches Lexicon, : nach den Hauptdialecten in Lief- und Curland ausgefertigt / von Jacob Lange, Generalsuperintendenten des Herzogthums Liefland [et]c.
Entstehung
Seite
XII
Einzelbild herunterladen

XII. Vorrede.

Was den andern oder Lettiſch Deutſchen Theil dieſes Werks betrift; ſo bekenne ich: daß mir derſelbe bey der Analyſe die meiſte Muͤhe gekoſtet; daß aber die Cellarianiſche Art, Staͤmlinge und Abſtaͤm⸗ linge in alphabetiſcher Ordnung zu ſezen, der einzige veſte Grund ſey, dieſe Sprache richtig kennen zu lernen, und uns darinn zu erklaͤren. Wir haben ein Volk vor uns, das aus dem Groben ſoll heraus gearbeitet, aber auch erleuchtet werden, um ohne Zweydeutigkeit zu lernen, wie es nach ihrem Stande ihr Gluͤck fuͤr zwo Welten machen ſolle. Die oͤſtere

obrigkeitlich verordnete Catechiſationen, Haus⸗ und Krankenbeſuche zwe⸗ cken dahin. Man zaͤhle alle uͤbelverſtandene und misdeutige Worte ab; und man wird uͤberzeuget werden, daß bey einem Vortrage aus vollem Herzen, und da eine Ewigkeit davon abhaͤnget, daß unſer Zuhoͤrer und zehrling uns wohl faſſe, manches Wort und Redensart vorkomme, daruͤber wir rechten Beſcheid haben moͤchten. Der Einwand: der Lette hat es doch bisher verſtanden, iſt leicht zu beantworten. Der Lette iſt nach ſeinem ſclaviſchen Stande eine Kreatur kullams ſittams, wie er ſich ſelbſt nennet. Koͤmmt nun Haͤrte und Ungeduld bey dem Lehrer dazu, ſo muß er ſich einen verkehrten Deutſchism, daß ich ſo ſage, ſo gefallen laſſen, wie alles andere. Aber das heißt doch wohl nicht: Nach dem Herzen geredt. Die Erfahrung giebt es. Man ſehe die wohlunterrich⸗ teten Gemeinen unſeres Landes an. Wohleingerichtete Schulen und ein 30, 40 jaͤhriger Unterricht von Hirten, deren Stimme ſie kennen, haben den Letten dahin gebracht, daß er auch uͤber ſeine Sprache und deren Nach⸗ druck denken kann. Sagen wir zuviel? Darum gehet unſere Sorge bey Kandidaten und angehenden Predigern dahin, ihnen anzurathen, daß ſie ſich im Lettiſchen recht umſehen, wie man es doch Ehrenhalben mit allen andern Sprachen thut, die etwa zu unſerm Geſchaͤfte ge⸗ hoͤren,

Es