X Vorrede. Imperfektum, und Perfektum auch wol das Futurum beygefuͤget. Bey den Compoſiten hat man es nicht allemahl geſetzt, um Weitlaͤuftigkeit zu vermeiden; aber man darf nur in dem Lettiſch Deutſchen Theile das Primitiv oder Simplex ſuchen, ſo findet man es gewiß.
Ich muß dieſe Anmerkung beyfuͤgen:“die Wolmarſchen und „Wendenſchen bilden einige Futura anders als andere, ſtatt nahlſchu ſagen ſie lieber: nahziſchu, und davon eben formiren ſie eine emphatiſche „Redensart oder Futurum Infinitivi, die ihnen eigen iſt, die von allen zuͤbrigen Letten verſtanden, aber nicht nachgeahmet wird.„
„Teiz: nahziſchoht man ſagt: er habe kommen wollen, oder: „eer ſoll ſchon kommen.„
Hiernaͤchſt habe ich die Gegenden, Staͤdte, Schloͤſſer, Hoͤfe, Fluͤſſe, Landſeeen, Gebirge, Waͤlder, ſo viel moͤglich, geſammlet. Die Abſtammung mancher Benennungen von Seen, Fluͤſſen, wird manchem
Topopraphen und Liebhaber unſerer Alterthuͤmer Anlaß zu weitern Gedan⸗
ken geben. Denn aus der Lektuͤr der Alterthuͤmer in dieſer noͤrdlichen
Haͤmiſphaͤre, aus den Geſchichten der Schweden, Ruſſen, Pohlen,
Preuſſen,— habe ich manche Quellen aufgeſpuͤret, die mich zu der alten
Mythologie oder Sybillenſprache unſerer Letten, da ſie Heyden waren, geleitet. Zufrieden: daß der Lette ſelbſt, der jetzo Chriſt iſt, oder wer⸗ den ſoll, dieſe alte Hauptideen gluͤcklich vergeſſen, daß er uns nicht zu
ſagen weiß: wer ſeine heydniſchen Vorfahren Diſa oder Diſcha gewe⸗
ſen,— ergreifen wir als lettiſcher Etymologiſt gern die Gelegenheit, fuͤr die Woͤrter diſchans und diſchoht Primitiva gefunden zu haben. Und
kann dies Unrecht ſeyn? Man iſt nicht ſo ſehr von Vorurtheilen einge⸗
nommen, daß auf dieſem etymologiſchen und analytiſchen Wege, manchem


