Aussicht auf Pforte. . Von C E. VIES E.
Wenn da von Naumburg her auf der Landstrasse, die nach Frankfurt führt, an das erste Wirthshaus von Altenburg an der Saale kommst— geh nicht auf der Landstrasse fort, es führt ein W9eg oberhalb an den Häusern hin: wenn du dort zwischen dem letzten und vorletzten Hause, wo die Baumpflanzung am Berge aufhört und das Ackerland anfängt, auf einem Raine den Berg hinansteigst und dann dem Fusswege, der dir oben entgegentritt, rechts bis zu der Höhe folgst, wo dir der Blick in das Thal vergönnt ist— da liegt Schul-Pforte, das alte Kloster-Pforte.
Cisterziensermönche, von heidnischen Slaven im pleissner Lande vertrieben und vom Bi- schof Udo von Naumburg gastlich aufgenommen, sollen es um die Mitte des zwölften Jahrhun- derts gegründet haben. Der zweite Pfeiler am hohen Chore der Kirche dort trägt noch eine alte Inschrift aus der Mitte des folgenden Jahrhunderts: Anno Domini MCCGLAI. XII. Kal. Aprilis positum est fundamentum hujus sanctuarii.
Einen lieblichern Ort hätten sie kaum wählen können: dort drängt sich der Fluss am Fusse der Berge hin und überlässt den üppigen Saaten die gesegneten Fluren, hier zieht er befruchtend mitten durch die Felder, unter dir pranget die Wiese in ihrem frischesten lachend- sten Grün, zwischen beiden breitet sich das fruchtbare saatengesegnete Thal. Von Feldern, Wiesen nnd Gärten umgeben drängt sich das Kloster in den Bergausschnitt hinein: hierhin sind die Anhöhen mit Buchen, Linden und Ahorn geschmückt, jenseits des Flusses wechseln Weinberge und Winzerwohnungen in reizender Lage mit einander. Einen lieblichern Ort hät- ten sie nicht wählen können.
Auch einen günstiger gelegnen kaum. Sieh, wie nach Mittag hin das Kloster unter der Kühlung des schirmenden Waldes ruht: seine dunkeln Schatten müssen nie von der gewinn- süchtigen Axt gelichtet, seine hohen Wipfel nie wieder von dem diebischen Beile geschändet werden! Dort, wo hinter dem Kloster der Abhang unter dem scharfen Winkel nach Süden umbeugt, siehst du einen Bergfortsatz nordmestlich tief in das Thal hineingreifen; der hat es gegen die Gewalt der heftigen Abendwinde schützen sollen: dass er nie seines grünen Wald- sclunuckes entkleidet, nach von der breiten Landstrasse tief durchschnitten das stille Kloster den abendlichen Stirmon preisgegeben hätte! Um den Bergfortsatz herum windet sich ein Arm
des Flusses dem Kloster zu, und hierherwärts hinter dem Kloster bricht eine Quelle unten aus dem *†


