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Berge hervor, welche noch jetzt dem Klosterhofe das Trinkwasser zuführt. An dieser Stelle, wo so die Anhöhen nach Mittag und Abend aufsteigen, dass sie gegen Wind und Sonne Schutz gewähren konnten, in der Nähe des reichhaltigen klaren Bergquells und zugleich in dieser günstigen Lage zu der Wasserhöhe des Flusses, wurden Kirche und Kloster angelegt, nahe um sie her Klostergebäude und Gärten, in weiterer Entfernung Wiesen und Felder, diesseit und jenseit an den Höhen W aldung und Weinberge. Auch einen günstiger gelegenen Ort hätten sie nicht wählen können. Denn nur dort, wo der Abhang nach Süden sich wendet, um alsbald wieder nach Westen sich weiter fortzusetzen, beſindet sich ein ähnlicher Ort, nach Sũüd und West vielleicht ebenso und nach Ost noch mehr von den Bergen geschützt als diesor, allein dort ist an dem ganzen nördlichen Berghange hin kein Quellwasser weiter anzutreffen, und wo wäre es möglich gewesen, an diesen höher gelegenen Ort einen Arm der Saale hinzuleiten. Ja, der Reiz der Lieblichkeit hat sich hier mit der Gunst des Vortheils auf eine ungewöhnliche Weise vereinigt.
Zwar, wenn man die Betrachtung auf das Einzelne übergehen lässt, so ist durch die Unbe- dachtsamkeit der Zeiten und Menschen viel gefehlt worden. Man will über die Anlegung der Städte und ihrer Umgebungen im griechischen Alterthume die Beobachtung gemacht haben, dass sich die Begründer derselben von einer doppelten Rücksicht dabei haben leiten lassen, nämlich einestheils von der bequemen Einrichtung für den täglichen Verkehr und Wandel, anderntheils aber von dem harmonischen Ueberblicke des Ganzen und seiner Theile. Auch in den ersten Gründern der Pforte muss dieser glückliche Sinn lebendig gewesen sein, das lässt sich aus der trefflichen Wahl des Ortes schliessen, und dafür spricht noch jetzt die ursprüngliche Anlage der Kirche und des Klosters. Allein die nachfolgenden Zeiten, denen der Ausbau der Pforte und ihrer Umgebungen obgelegen, scheinen sich von keiner dieser Rücksichten haben leiten lassen zu wollen. So hat hier die Natur im Grossen und Ganzen so viel gethan und der Mensch im Einzelnen und Kleinen so wenig. Sieh die Landstrasse, wie sie aus den Gärten des Dorfes hervortritt und ihren unsichern Lauf durch die Ebene beginnt, wie eine breite hässliche Linie ist sie quer über das liebliche Bild gezogen: siehst du den innern Widerspruch zwischen ihrem zaghaften Gange und den stolzen hohen an ihr hinschreitenden Pappeln, die von da an vier- fach gepflanzt gleich einer dichten Wand das Thal wie in zwei nicht zu einander gehörige Theile scheiden. Man schlage sie nieder, dass das Thal die Pforte begrüsse und die Pforte sich ihres Glücks und Segens freuen könne! Jetzt schiesst sie wie ein Pfeil längs der Mauer hin, und als hätte sie mit Gewalt den abendlichen Berg durchbrechen müssen, beugt sie sich an der nordwestlichen Klosterecke unter dem härtesten W inkel um, und bald dar auf sieht man sie jeraeits des Klosters gierig die Anhöhe hinankriechen, den Berg durchschneiden und im jensei- tigen Thale verschwinden. Hätte sie nicht ihren Weg um den westlichen Ber gesarm herum rulig fortgehen können? Dann führte wohl noch jetzt ein anmuthiger Weg durch schattiges Gehölz über den Berg in das andere Thal, und sie selbst hätte ihren Lauf, sollte man glauben, eben so schnell in das Thüringerland gefunden. Allein auch die Klostermaner, wie sie vom Berge herab unter diesen rechten Winkeln ein so bedeutendes Stücke aus der Fläche des Thales herausschneidet, stimmt nicht genug mit der übrigen Lage des Ortes. Entsprechend dem Berg- ausschnitte, aus welchem sie hervortritt, hätte sie vielmehr ein abgerundetes Theil aus der Thalebene herausnehmen und für de nächsten Umgebungen des Klosters abgränzen müssen. Indessen diesem Fehlgriffe dürfte wohl schwerlich jemals wieder abgeholfen wer-
den. Aber jene Wand dort zwischen Berg und Kirche, welche die Gärten am Berge nach


