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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
Seite
52
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Wie man die Garben auch zu ſeiner Zeit einfuͤhret, a)

ſo kommt ein jeglicher zu ſeiner Zeit ins Grab/ b)

der Todt mit ſeiner Sens ein'n jeglichen beruͤhret;

Er nimmt den Zenegen auch Ihre Garben ab,

doch ſind wohl einige/ die ihre Garben bringen

nach Ihrer Thraͤnen⸗Saat mit Freuden und mit Singen. c)

Darunter rechnen wir die Freye Frau von Garben/

die nach dem Stand und Geiſt ein Baroneſsin war; Sie hatte frey gelebt, eh Ihre Glieder ſtarben,

Frey, ſag ich, von der Furcht in aller Tods⸗Gefahr; Frey war Ihr edler Geiſt von Sclaverey der Suͤnden, frey von des Satans Macht, der Sie nicht konte binden.

und wie Sie Warbin hieß/ ſo brachte Sie die Garbe

zu erſt dem hoͤchſten GOTT, der Sie gebunden hat; Sie bracht die erſte Garb ohn alle Heuchel Farbe/ die Garb des Chriſtenthums im Wort und in der That:

. Die Garbe des Gebets/ die Garb der reinſten Liebe; mworzu Sie in der Tauf ſich namentlich verſchriebe.

15 Hernach ſo brachte Sie die Garb der Seltenheiten

dem Hohen Herrn Baron, als Ihrem Eh⸗Gemahl/

4 die Garbe des Verſtands/ die Garb der Lieblichkeiten;

des Friedens und der Treu ohn eiteles Gepral:

8 Sie war wie eine Ruth dem Schnitter nachgegangen, und hat die Arbeit fruͤh mit Freuden augefangen.

Sie bracht dem Naͤchſten auch die Garb der Liebes⸗Wercke

die Garbe groſſer Gnad und der Gutthaͤtigkeit; Mit Hiob ware Sie der Schwachen Brafft und Stärcke; d) Sie war des Armen Schatz mit Huͤlff und Troſt bereit; Sie war der Stummen Mund/ Sie war ein Fuß der Lahmen, des Bünden Aug war Sie/ und das in Chriſti Namen.

Den Beener,hre arne hat Sie auch ausgeſäet, e) nicht ohne naſſes Aug/ und jammerendes Hertz; der rauhe Nord⸗Wind hat Sie oͤffters angewehet;.1 und des Frey. Herren Weh war auch Ihr Hertzens⸗Schmertz; Da gieng Sie oͤſſters hin in die verborgne RKammer/ und klagte Ihrem SOTT Ihr Creutzes⸗Noth und Jammer.

Nun erndtet Sie mit Freud/ was Sie mit Leid geſaet; f)

Ihr Weinen bringet Wein/ und Ihre Laſt bringt Luſt: Nun Sie auch Davids Spruch in ſeiner Arafſt verſtehet;

was Ihr war unbekannt, iſt Ihr erſt recht bewußt:

b Nun

a) Hiob. 5, 26. b) Grab per Anagramma Garb. c) Pſ. 126, 6. d) Hiob. 2, 15. c) Pf. 126, 5. f) Pf. 126, 6.

* Fe