Druckschrift 
Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
Seite
53
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Nun ſiehet Sie erſt recht ohn Glaß der gaaee, Farben/)

ſchwartzen

was eigentlich das heißt: Mit Freuden bringen Garben.

Kochwohlgebohrner Merr!

Mein gnäͤd'ger Herr Baron!) weil SOtt/ der Garben⸗Binder/ die Baroneſsin hat in ſeine Scheur gefuͤhrt, wo alle Garben ſind der allerliebſten RKinder/ b und wo kein Winters⸗SFroſt die zarte Glieder ruͤhrt, ſo ſeyen Sie getr oſt/ und ſaͤen Ihre Thraͤnen b) ſo, daß die Thraͤnen⸗Saat zur Freuden⸗Erndt moͤg dienen. Sie wollen doch Ihr Hertz/ als eine Garb/ erheben,

und weben Ihr Gemuͤth, wie man die Garben webt: Sie wolln als Prieſter es auf den Altar hingeben,

dann Ihr Gemahlin dort beym Garben⸗Binder lebt: Fuͤr Ihrem 3een Sich als eine Garbe buͤcket/ der Sie als ſeine Garb mit Himmels⸗Glantz ausſchmuͤcket.

Die Weligſte hat lang den Namn von Garb getragen; So nehm Ihr Excellenz den Namen Sey Fried an:

Sie ſprechen: Meine Seel! laß ab von deinem Klagen, c) der HErre hat ꝛer) Guts durch dieſen Tod gethan:

Er hat Sie aus dem Krieg zun reden m.) geriſſen,

Feur wie einen B

und laͤßt Sie Himmels⸗Freud im Frieden wohl genieſſen. Sie ſprechen: Meine Seel! ſey nur mit GOtt zufrieden: Dann die Zemun) ſchon zum Friedens⸗Fuͤrſten geht: 1 Sie iſt zwar gar zu ſchnell und gloͤtzlich gbgeſchieden; doch Sie nun Freuden⸗voll in Friedens⸗Huͤtten ſteht. SOë wird zu ſeiner Zeit/ mein Seele! Dich auch heiſſen ¹ zu tem esen) gehn; dn) ſollt Du Dich befleiſſen. Ich, der geringſte Knecht, ruf mit betruͤbter Seele: SFried ſey in Dero Seel/ die voller Unruh iſt! d) Wann auch die Truͤbſaals⸗Fluth gieng bis an Halß und RKehle/ c) f) So werd Ihr Excellenz mit Frieden ausgerüͤſt! GOtt reiſſe Oero Fuß heraus von allem gleiten/ g) Und laſſe Dero Hertz zum Frieden⸗Feſt bereiten.

GOtt reiſſe Dero Aug und Wangen von den Thraͤnen; h) die Seele aus dem Tod; den Leib von Ungemach; Er gebe alles Wohl/ wornach Sie ſich ſtets ſehnen; Er gebe Gluͤck und Freud; und das zu tauſendfach; Daß Sie als Reſident des groſſen CAROLS ſitzen, und unſrer Vaters⸗Stadt viel Jahr noch vieles nützen.

2), ad Gorinth. 13. 12. b) Pſ. 126, 5. 6. c) Pſ. 116, 7. d) Pſ. 42, 6. 12. c) Pf. 43, 5f. f) PG 60, 2. 3, 15. 16. g) Pſ. 116, 8. h) loco citato.