Druckschrift 
Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen

.

b Da ſieht man keine Garb im weiſſen Felde ſtehen Man ſieht den Ackers⸗Mann nicht auf dem Acker gehen.

Man ſieht auch keine Ruth den Schnitteren nachwandeln, a)

mch ſehn eine ziche von M das Serben 5* 1⸗3) Man ſieht nicht nach dem Traum die Soͤhne Jacobs handeln, b) daß Ihre Garb ſich neigt vor Joſephs; der zwar 25 in ihren Augen war; doch endlich iſt erſchienen als ein gar groſſer Zerr/ dem Sie faſt muſten dienen.

Man ſieht nicht vorm Altar die Prieſter Garben weben, o) als Leülnge des Lands/ in tieffſter Danckbarkeit: Die man dem Hoͤchſten GOTCT mußt in die Hoͤhe heben, lam Zeugnus/ daß Er geb das Brod zur Erndte⸗Zeit/ daß Er noch regnen laß das Manna aus der Hoͤhe/ daß keiner ohne Brod von ſeinem Tiſch weggehe.

Wie kommts dann, daß der Tod/ als wie ein Garben⸗Binder/ d)

aauch in der Winters⸗Zeit zu Fenſtern offt einfaͤllt,

ja in Pallaͤſte kommt, zu wuͤrgen Mann und Kinder, e) Matronen/ Jungferen und Juͤnglingen nachſtellt?/

Daß Sie, wie Garben/ todt fuͤr Ihrem Schnitter liegen,

und keinen Odem mehr in Ihre Leiber kriegen.

Wer machts ſo, daß es kirrt/ wie Garben volle Wagen/ f) da doch zur Winters-Zeit es nur von Wagen kirrt/ 5 die uns das theure Holtz jetzt auf der Achs zutragen, 4 daß man von Kalt und Froſt im Winter nicht erfriert. 4 Es ſcheint, GOTT haͤuffe ſelbſt die Garben auf die Tennen/ g)

˙,

daß weder Jung noch Alt, kan ſeiner Hand entrinnen.

Ein Nebemias ſah am Sabbath Garben bringen h) in jene Woͤnigs⸗Stadt/ nach dem Jeruſalem: Das machte Ihm viel Gram und vieles Haͤnde ringen/ weil dieſer heilꝛge Tag zur Arbeit nicht bequem. Allein man ſieht allhier an Sonn⸗und Werckel⸗Tagen manch Garbe in die Rirch und auf die Kirch⸗Zoͤf tragen.

Im AOcker dieſer Welt wird keine Garb vergeſſen i) der Todt kehrt ſelber um, und holet Sie noch ein; Fuͤr Ihme iſt kein Menſch zu groß/ zu hoch geſeſſen, es moͤgen Kayſere/ es moͤgen Koͤnig ſeyn: Unedle/ Burger/ Baur ſind Ihme gleich und eben, Lr rafft bald dieſen hin, bald jenen aus dem Leben.. N2 Wie 1

a) Ruth. c. 2, 7. b) Gen. 37, 7. c) Levit. 23. 10. d) Pſ. 129,7. o) Jer. 9, 21. fd. f) Am 2. 13. g) Mich. 4, 12. h) Nehem. 12, 15. i) Deuteron. 24, 19.