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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
Seite
39
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IO wollte meinem Kiel dis Traur⸗Gedicht gelingen, Ich wuͤrde dieſen Sarg dem Canitz gleich beſingen, 4 Denn ſo wie Dieſer ſchrieb, da ſeine Doris ſtarb, Schrieb ich gewiß auch jetzt, da Eine Fraul von Garb 2 Die Helffte Deiner Bruſt der Todt dahin geriſſen, Um nur Dein groſſes Leyd mit Nachdruck zu verſuͤſſen.

D Dooch ich beſcheide mich, bey ſo geſtallten Sachen

Kan Dir wohl kein Gedicht den Kummer leichter machen, 1

4 O nein! Dein Geiſt ſucht mehr, Du wirſt wohl nicht vergnuͤgt, 5 Weil Deines Hertzens Luſt im finſtern Grabe liegt,

Ach! ſprichſt Du/ ſollt Ich denn Mein ander Leben muͤſſen?

Ach! hat Sie Mir der Todt doch allzu fruͤh entriſſen?

Jetzt ſieht man Dich gekraͤnckt nach Ihrer Leiche gehen;

Jetzt ſieht man Dich betruͤbt bey Ihrem Sarge ſtehen,

4 Der Glocken duͤſtrer Schall verraͤth Dein groſſes Leid,

3 Man ſieht und hoͤret nichts als ſtille Traurigkeit, Warum? Sie faͤllt,, und ſtirbt, jetzt traͤgt man Sie zur Erden,

Dein Beſtes auf der Welt ſoll Dir genommen werden?

D Dort, wo der Sand Sie deckt, da ſitzeſt Du und weineſt, Weil Du in dieſer Grufft den Troſt zu finden meyneſt,

Der bey ſo ſchwerem Leyd Dir ohnentbehrlich iſt/

Da Deine Doris ſtirbt, Du aber lebend briſt Dort, dort, bey Ihrem Sarg/ da ſieht man Dich mit Thraͤnen,

Wie vormahls Canitz that, nach Deiner Doris ſehnen.

3 Fuͤrwahr Du leideſt viel, Du ſeuffzeſt nicht vergebens/ 1 Iſt die Gemahlin todt, die Helffte Deines Lebens/ Was wunder! wenn Du ſelbſt nicht länger leben willt,

2 Was wunder! wenn kein Troſt, die herbe Thraͤnen ſtillt, Was wunder daß Du Dich bey Ihrer Aſche kraͤnckeſt, Und Tag, und Nacht, an nichts als Deine Doris denckeſt.

Fuͤrwahr Du leideſt viel, Dein Trauren iſt gegruͤndet, ch mercke was Dein Hertz bey dieſem Fall empfindet, Bald blickſt Du auf den Sarg, bald denckſt Du an den Todt, In beydem findeſt Du die Gruͤnde Deiner Noth⸗ 1 Dort, denckſt, und ſprichſt Du jetzt, liegt Die um Die Ich traure, 1Dort liegt Mein ander Ich/ Die Ich ſo ſehr bedaure.

Dort liegt nun Die von Garb/ dort kan man jetzt beſehen,

1 Auf was vor ſchlechtem Grund der Menſchen Tage ſtehen,

Sis lebte, doch, nicht lang! Sie ſtarb, doch, allzubald!

1 Sie war noch geſtern roth; heut iſt Sie todt und kalt:

1O!l ſprichſt Du/ welch ein Schmertz! O welch' ein bittres Leiden!

Ach! rufſt Du, muß Ich dann von Meiner Doris ſcheiden. b K 2 Jedoch