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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
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Stand⸗Rede. b 25

Heer/ Herr Facob Hmanuel/ Frey⸗Herr von Harben/ Edler Merr von Gilbelli, Sr. Roͤm. Kayſerl. und Koͤnigl. Cathol.

Narfeſtaͤt Hochanſehnlicher Reſident zu Augſpurg und Ulm/ Mein gnaͤdig und Hoher Patron, nicht nur Deroſelben Hochſchatzba⸗ re Gegenwart/ als ein gar deutliches Merckmahl Dero gantz beſondern Gewogenheit, Freundſchafft und Liebe anſehe, ſondern auch ſolche hohe Ehre, Gunſt und Gefaͤlligkeit mit allem geziemenden Danck erkenne, und deswe⸗ gen auch nicht ermanglen werde, bey andern erfreulichen Veraͤnderungen, und Gelegenheiten ſeine Dienſtgefliſſenheit, Freundſchafft und Liebe, ſo willig, als ſchuldig an den Tag zu legen, mit dem hertzlichen Wunſche, daß bey dem vor Ihn ſo betruͤbten Anfang des Jahrs, Dero Wohl und Gluͤcke nicht nur dieſes Jahr hindurch dauren, ſondern auf ſpaͤte Jahre hinaus in ſchoͤnſtem Flore unveraͤnderlich bleiben, und ein jedes unter Ihnen, nach einem langen Leben, einmahl mit Freuden, ſo es dem Rath GOttes gemaͤß, ſchnell und ſeelig ſterben moͤge.

Nun habe ich mit unberedten Lippen verrichtet, worzu ich beruffen wor⸗ den. Man beſchuldige mich keines Verſehens, daß mit keinem Worte der herrlichen Gaben und Qualitæten gedacht, womit doch der HERR unſere hochſchaͤtꝛbare Frau Baroneſlin in reicher Maße verſehen, und ausge⸗

ſchmuͤcket. Es iſt mit allem Bedacht geſchehen. Ich bin zu keinem Lob⸗Red⸗ 54 ner beſtellt worden, und waͤre auch viel zu unvermoͤgend, dergleichen abzu⸗ geben, ſondern habe nur des Todes dieſer Gerechten noch einmahl gedencken, und die aufrichtige Danck⸗begierde des hoͤchſt⸗bekuͤmmerten Herrn Barons

mit wenigem entdecken ſollen. Der beredte Mund eines GOttes⸗Gelehr⸗ ten unter uns hat allbereit mit beſſerm Nachdruck gezeiget, was fuͤr ein edles Kleinod unſere Stadt verlohren, und wie unſchaͤtzbar der Verluſt deſſelben

ſehe. Die Traur⸗Schriſſten, ſo unſerer Hochſeeligen zu Ehren verferti⸗ get worden, haben ebenfalls den Ruhm derſelben ausgebreitet, und nach

der Wahrheit an den Tag gelegt, was hohe und niedere, reiche und arme

an Ihr bewundert und verehret haben. Ich eile demnach vielmehr zum En⸗ 4

de meiner Rede, und ſtehe billig an, Sie, Hoch⸗ und werthgeſchaͤtzt⸗

Anweſende/ noch laͤnger in dieſen betruͤbten Umſtaͤnden auſzuhalten. Doch, 3 was hoͤre ich? wie? wer ſtoͤhret mich in meiner Rede, da ich ſie eben ſchlief

ſen will? welch eine bewegliche Stimme erſchallet in meinen Ohren? iſt denn

der Sarg noch nicht zugeſchloſſen, und der Stein auf dem Grabe? Stille!

Iſt es nicht die Stimme unſerer erblaßten Frau Baronefſin? Stille!

Laßt mich hoͤren! ſtille! was ihr letzter Wille: Rede,(faͤngt Sie gleich⸗ 3

1 ſam aufs neue, doch ſo, daß Sie ſo gleich wieder aufhoͤret, an zureden⸗) weel ich nicht mehr reden koͤnnen, in meinem Leben, da mir die Hand des

GERRN