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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
Seite
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.22. Stand⸗Rede.

Doch Ihre Thraͤnen, Hochbetruͤbte/ ſind gerecht und billig. Sie haben Urſache genug gehabt, die Grufft unſrer liebenswuͤrdigen Frau Baronellin mit dieſem koſtbahren Waſſer einzuweihen. Sie weinen nicht uͤber die Gluͤck⸗ ſeeligkeit, ſo der Hochſeeligen zu theile worden, ſondern ſie bezeugen nur mit ihren Thraͤnen, daß ſie gerne die Gluͤckſeeligkeit noch laͤnger haͤtten ge⸗ nieſſen moͤgen, dieſe Edle im Leben zu lieben und zu verehren. Sie beiam⸗ mern nicht ſo wohl die ſchnelle Beraubung ihrer ſo getreuen Freundin und hohen Patronin, als vielmehr den unerſetzlichen Verluſt, ſo Deroſelben

Hochſchäͤtzbarer Herr Gemahl erleben müſſen.

Sie wiſſen, Hochzuehrende Andveſende/ wie zaͤrtlich dieſes hohe Paar einander geliebet, und wie unermudet eines vor des andern Wohler⸗ gehen beſorget geweſen. Ich wolte demnach faſt ſagen, daß vielleicht eben deswegen der HERR unſere Hochſeelige Frau von Warben ſo ſchnell zu ſich geruffen, damit Sie nur deſto unbekuͤmmerter ſterben könte. O wie be⸗ truͤbt, wie ſchmertzlich wuͤrde der Abſchied geweſen ſeyn, wenn Ihr der HRR noch eine Weile zur Unterredung gegoͤnnet haͤtte? War es alſo nicht beſſer, daß er Sie ſchnell von hiunen ziehen heiſſen, als wenn er Sie noch eine Zeitlang auf dem Sterbe⸗Bette haͤtte liegen und leiden laſſen, welches gewiß beeder Hertzen noch mehr gebeuget und gekraͤncket haben wuͤrde? Wer eerkennet nicht hieraus, wie gut es der HERR mit beeden gemeinet? Wer merckt nicht, daß eben darum der Abſchied ſo ſchnell geſchehen muͤſſen, damit unſere Hochſeelige ihre Himmels⸗Reiſe nicht mit naſſen Augen antretten, und Dero Herr Gemahl durch Ihr eilfertiges Ende zu einem noch laͤngern, ach! GOtt gebe ſehr langen, Leben aufbehalten werden moͤchte, da deſſen Hertze ja ohnedem durch den Todt ſeiner Geliebten ſo ſchmertzlich geruͤhret und verwundet worden, daß Ihme die Wehmuth nicht einmahl erlaubet, Ihnen, Hochgeſchaͤtzte Anweſende, den gebuͤhrenden Danck abzuſtatten, daß Sie die Beyſetzung ſeiner lieben Fraul Gemahlin/ durch Dero vor⸗ nehme Gegenwart ſo anſehnlich machen, und dadurch, auch nach dem Tode der Hochſeeligen/ zu erkennen geben wollen, wie groß die Hochachtung und Liebe, ſo Sie im Leben genoſſen, bey Ihnen allen geweſen.

Da nun dieſer hohe Patron ſeinen devoteſten Diener gewuͤrdiget, ſol ches in ſeinem hohen Namen zu verrichten, ſo nehme ich mir demnach die Ehre Ihnen, Sochgeneigte Anweſende/ zu vermelden, und anzuzeigen, daß hunſerer Hochſeeligen Frau Baroneſſin von Barben/ hoͤchſtbetruͤbt undtiefgebeugter Herr Gemahl/ der Reichs⸗Frey⸗Hochwohlgebohrne A Herr/

8. 5* N* 9 4 f* 62.