Stand⸗Rede. 23
empfohlen. Er kam ſchnell, und meldete ſeine Ankunfft durch keine Kranck⸗ heit, ſondern der Todt war ſein Gefaͤhrte und Bote: Er kam zu Ihr, da Sie kaum vorhero noch bey ihme in ſeinem Hauſe eingekehret, und mit Freu⸗ den ihrem Hauſe wieder zugeeilet. Er kam mit der Ordre, daß Sie unver⸗ ſaͤumt dieſes Leben ſchlieſſen ſollte, da Sie kaum einem lieben neugebohrnen Kinde und Saͤuglinge das geiſtliche Leben erbeten helffen. Sie war eben mit dieſer heiligen Arbeit fertig, ſo war der HERR ſchon mit ſeinem Boten ge⸗ genwaͤrtig, und ruffte Sie vom Altare zur Bahre, vom Tauffe⸗Stein zum Grabe⸗Stein, vom Wochen⸗Bette zum Sterbe⸗Bette, vom Leben zum Tode, vom Tode zum Leben. Er kam mit ſchnellen Schritten, Sie eilte ihme entgegen, und ließ ſich auch nicht laͤnger, weder durch die heiſſe Thraͤnen des Hochbetruͤbten Herrn Gemahls/ noch durch das bewegliche Flehen der ſchmertzlich bekuͤmmerten Frau Scchweſter/ noch durch das klaͤgliche Haͤn⸗ de⸗Ringen und ſeuffzen der uͤbrigen hohen Freunde/ auf Ihrer ſchnell an⸗ befohlnen Himmels⸗Reiſe aufhalten. In wenig Stunden war Sie geſund, kranck, todt und lebendig bey dem HERRN in ſeinem Himmel. So ſtarb demnach dieſe Freundin des HERRN eines ſeeligen ſchnellen Todes, nachdem Sie ſich jederzeit ſorgfaͤltig vorgeſehen, daß Sie kein boͤſer ſchneller Tod uͤbereilen moͤchte. So war denn auch Ihr ſchnelles Sterben die groͤſte Gluͤckſeeligkeit in Ihrem Leben, deren nur wenige von dem HErrn gewuͤrdiget werden. Iſt dem alſo, Hochſchaͤtzbare Anweſende/ wie uns das Wort des HERRN verſichert, warum erblickt denn mein Auge noch ſo viele naſſe Wangen? Warum beklagen wir dann dieſe mit ſo vielen Thraͤnen, deren ſeelige Veraͤnderung wir uns doch alle, nach dem Willen des HERRN/ wuͤnſchen werden? Warum betruͤben wir uns denn uͤber unſere erfreute Freyin/ da Sie nunmehro ſo ſchnell von allem Ubel befreyet worden, und allbereit
4 zu der ſeeligen Freyheit der Kinder GOttes gelanget? Warum bedauren wir denn dieſe Warbe/ da ſie ja nicht verdorben, ob ſie gleich die Sichel
des Todes abgemaͤhet, ſondern nur in die Scheure des Himmels eingefuͤh⸗ ret worden? Warum tragen wir Leide um dieſe Edle/ da Sie der aller⸗ hoͤchſte Monarch Himmels und der Erden nun erſt recht geadelt, und zu ei⸗ ner Reichs⸗Freyin in der Stadt⸗GOttes erhoben? Was reden wir vieles von Ihrem Tode, da Sie doch nicht geſtorben, ſondern gleichſam verwan⸗ delt worden? Wie kan Sie geſtorben ſeyn, da Sie ja den Todt nur uͤber⸗ wunden, nicht empfunden, und ehe Sie ihn geſehen, demſelben allbereit entgan⸗ gen war? Sie lebt alſo, ob Sie gleich im Tode entſchlaffen; Sie lebt dem Geiſte nach bey GOtt in ſeinem Himmel, dem Ruhme nach, hier in unſrer aller Hertzen. Was trauren wir denn nun, da Sie ein noch laͤngeres und beſſeres Leben erlanget, als wir Ihr erſt vor wenig Tagen zum neuen Jahr angewuͤnſchet? 1 e ⸗ F 2 Dochß


